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Herzlich Willkommen zur 35ten Ausgabe des Schlangengesangs.
Mit dieser Ausgabe führen wir unsere Themenreihe zu den Farben der Göttin fort. Nach der Folge im Jahreskreis und passend zur Jahreszeit ist diesmal die Frabe "rot" dran. Rot steht für die Göttin in ihrem Aspekt als Liebende, als Geliebte, als Mutter und als "blutende Frau", die in ihrer fruchtbaren Lebensmitte steht. Wir durften uns auch diesmal wieder über Beiträge der Schlangengesang-LeserInnen freuen und hoffen auch für die im Herbst folgende Ausgabe "schwarz" reichlich Zuschriften zu bekommen!
Wie ihr schon gemerkt habt, ist auch diese Ausgabe wieder verspätet. Die Endredaktionsfrauen waren im Krankenhaus und stecken mitten im Umzug. Darum auch dieser Aufruf in eigner Sache:
Wir, das Schlangengesangteam suchen dringend eineN MenschIn mit html-Kenntnissen, freier Zeit, Kreativität und viel Lust zum Mitmachen. Wir bieten: keine Bezahlung, dafür ein freundliches und kreativ-chaotisches Team. Wenn du mutig und lustvoll an diese Aufgabe herangehen magst, dann melde dich bitte bei uns.
Wir wünschen Euch viel Spaß und freuen uns auf Post von Euch,
das Schlangengesang-Team
Annika, artemisathene, Cailynn, Esmerelda, jana, Lilia, MedeaLaLuna
Inhaltsverzeichnis
Göttin:
- Aurora / Eos – Göttin der Morgenröte
- Hymnos an Eos
Thema:
- Symbolik Rot
- roteFrau
- Rot wie Blut
- Menstruationsblut und die Kraft der Frau
- Roter Ocker – Farbmagie von der Steinzeit bis heute
Pflanzen:
- Granatapfel
Praktisches:
- Longdrinkrezepte mit Grenadine
- rote Rezepte
Aufgelesen:
- LeserInnenbriefe und Zuschriften:
- Birkenmütterchen und Waldväterchen
Aktuelles:
- Fund einer "Venus-Figurine" in der Schwäbischen Alp
Buchrezensionen:
- Mudras für Körper, Geist und Seele
Kalender:
- Der Schlangengesang – Göttinnenkalender
- Kalender vom Mai 2009
- Kalender vom Juni 2009
- Kalender vom Juli 2009
Netze weben:
- Veranstaltungen
Impressum / Schlangengesanginfos / Kontakt / Abmelden
Aurora / Eos – Göttin der Morgenröte
Die Römer nannten die Göttin der Morgenröte Aurora, die Griechen Eos. Sie ist die Tochter der Titanin Theia (eine Urmutter, hergeleitet vom phönizischen "Thohou" = die Leere/das Chaos) und des Titanen Hyperion (einem Sonnengott, wörtlich: der drüber ziehende). Ihre Geschwister sind Helios (die Sonne) und Selene (die Mondgöttin).
Das Nachtlager der Eos liegt im Osten. Von dort erhebt sie sich jeden Morgen und fährt in ihrem Wagen zum Olymp, den Göttern das Nahen des Tages, in Gestalt ihres Bruders Helios anzukündigen. "Schon erklomm die göttliche Eos den hohen Olympos,
Zeus und den anderen Göttern den Anbruch des Tages zu melden." (Homer, Ilias, S. 36)
Homer ist es auch, der Eos einen Wohnsitz auf der Insel der Kirke zuschreibt, jener Zauberin, die Odysseus Gefährten in Schweine verwandelt. "Hinter sich hatte das Schiff des Okeanos Strömung gelassen, hatte die Wogen des weiten Meeres erreicht und die Insel Kirkes, wo Eos, die frühgeborene Häuser, auch Plätze fröhlichen Tanzes besitzt und Helios Stätten des Aufgangs." (Homer, Odyssee, S. 308)
Diese Insel nennen die Griechen "Aiaia", es soll im sagenumwobenen Kolchis liegen. Heute wird sie als die kroatische Insel Losinj identifiziert.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Aiaia)
Wenn Helios erscheint, verwandelt sich Eos in "Hemera" und begleitet ihn auf seiner Reise über den Himmel. Im Westen angekommen verwandelt sie sich erneut, diesmal in "Hespera", "die Westliche." So beschreibt es der Dichtervater Homer.
Den Wagen der Eos ziehen zwei Pferde: Lampos (der Helle) und Phaethon (der Strahlende). Robert von Ranke-Graves vermutet, dass Eos eine Allegorie der Sonne ist und aus der indischen Muttergöttin "Ushas" hervorging.
Verheiratet ist Eos mit dem "Sternenmann" Astraios, einem Titan. Astraios wird auch als "Morgenwind" bezeichnet. Dieser Morgenwind befruchtet Eos und so wird sie zur Mutter des Morgensterns. Hesiod und Homer berichten, dass alle Sterne die Kinder der Eos und des Astraios sind. Außerdem gelten die Winde und der "Lichtbringer" (Lucifer) Phosphoros (= der Morgenstern) als Kinder des Paares.
"Eos jedoch gebar dem Astraios - die Göttin dem Gotte liebend vereinigt - Winde von heftiger Art: den geschwinden Treiber, und Zéphyros, der fegt rein den Himmel, und Notos; nachher gebar die"Frühgeborne" den Stern Eosphóros
und die glänzenden Sterne, die rings den Himmel bekränzen." (Hesiod: Theogonie, S. 19)
Eos hat noch mehr Kinder aus ihren häufigen Liebschaften mit sterblichen Männern. Als Ursache für ihr unstillbares Verlangen nach jungen Sterblichen gilt eine Strafe durch Aphrodite. Eos hatte mit Ares, dem Kriegsgott und Geliebten der Liebesgöttin, ein Techtelmechtel. Aphrodite erwischte beide inflagranti und bestrafte Eos mit der Gier nach hübschen, sterblichen Männern. Eos verführt viele Männer, meist heimlich und versucht dann, Zeus dazu zu bewegen, diesen Unsterblichkeit zu verleihen. Bei Ganymedes ohne Erfolg, diesen "Schönling" will Zeus für sich, um ihn fortan als Mundschenk einzusetzen. Bei Tithonos willigt Zeus ein, Eos vergisst jedoch den Göttervater auch um ewige Jugend für Tithonos zu bitten. Also altert der schöne Mann und Eos pflegt ihn lange Zeit hingebungsvoll. Alt, runzlig, grau und mit keifender Stimme sperrt Eos ihren Geliebten schließlich in ihr Schlafzimmer ein, weil er ihr peinlich geworden ist. Daraufhin wird er in eine Zikade verwandelt. Eine schöne Anspielung auf den frühmorgendlichen Gesang der Zikaden, die in Kleinasien Symboltiere des Sonnengottes Apollon sind.
Weitere Männer auf Eos Abschussliste waren Orion (der Jäger), Kephalos (nach Robert von Ranke-Graves wahrscheinlich ein anderer Name für Astraios) und Kleitos (Enkel des Melampos).
Auf Delos verführt Eos Orion, den blinden Jäger. Sie bittet Apollon ihm das Augenlicht wiederzugeben. Die wütende Artemis schließlich tötet Orion, weil er sich für den besseren Jäger gehalten habe. Angesprochen auf ihre Liebschaft mit Orion errötet Eos der Sage nach allmorgendlich.
Kephalos verlässt seine Frau Prokris, Tochter des Königs Erechteus von Athen, für Eos. Sie bekommen einen Sohn namens Phaethon (nach Hesiod). Euripides hingegen hält Klymene für die Mutter des Phaethon und berichtet von dessen berühmt gewordener Fahrt mit dem Sonnenwagen. Hesiod wiederum lässt Phaethon von Aphrodite entführen und als Hüter eines ihrer Tempel einsetzen.
Memnon, der Äthiopier, der im trojanischen Krieg auf Seiten der Trojaner kämpft, gilt als Sohn der Eos und des Tithonos. Der griechische Held Achilleus tötet Memnon. Eos fleht daraufhin bei Zeus um Unsterblichkeit für Memnon und um ein heldenhaftes Begräbnis. Tatsächlich wird ihr zumindest letzterer Wunsch erfüllt: aus der Asche des Scheiterhaufens erheben sich die "Memnoniden", Vögel, die nun Jahr für Jahr mit ihren Kämpfen an den Tod des Memnon erinnern.
Eos vergießt noch immer Tränen für den Tod ihres geliebten Sohnes. Als Zeichen ihrer Trauer kann man am Morgen Tautropfen im Gras finden.
In der Literatur wird Eos immer wieder mit den gleichen Begriffen bezeichnet: Sie heißt "die Frühgeborene" (Anspielung auf die frühe Stunde des Sonnenaufgangs), "die rosenfingerige oder schöngelockte Göttin", die "safranfarben Gewandete", aber auch der Begriff "scharlachrot" taucht im Zusammenhang mit Eos immer wieder auf.
In der Lyrik wird Eos (Aurora) synonym mit dem Tagesanbruch benutzt. Schon der Dichtervater Homer benutzt immer wieder die selben Sätze um den Beginn eines neuen Tages anzukündigen: "Als in der Frühe die rosenfingrige Eos sich zeigte," oder aber "Eos erhob sich vom Bett, von der Seite des edlen Tithonos, um ihr Licht den Göttern zu bringen wie auch den Menschen." Er benutzt auch die Variante: "Eos in goldnem Gewand stieg aus des Okeanos Fluten, um ihr Licht den Göttern zu bringen wie auch den Menschen. (Homer, Ilias)
Wie sehr die Menschen der Antike den Anblick des Morgenrotes liebten kann man an den wunderschönen lyrisch-romantischen Beschreibungen der Eos bzw. der Aurora erkennen. Hier ein paar Beispiele:
"Eos stieg empor mit ambrosischem Lichte, zerstreuend
Rings in den Lüften das Dunkel der Nacht. Da lachten des Eilands
Ufer und von fern die tauigen Pfade der Fluten."
(Apollonius von Rhodos: Die Argonauten, S. 241)
"Eos, die strahlende, die vor sich her die Sterne scheucht."
(Euripides: Ion, S. 62)
"Unter den Schwingen des glutheißen rötlichen Euros verscheuchte
Eos im Hinstreifen über die Spitzen des troischen Ida
weithin das Dämmerlicht, lugte strahlend hinab in den Hafen,
streute ihr Leuchten fern über die finsteren Schlünde des Meeres."
(Nonnos, Leben und Taten des Dionysos, S. 78)
"Als dann Eos das Dunkel durchbrach auf schneeigen Füßen,
unter dem Dämmern des Morgens die tauigen Felsen erglühten,"
(Nonnos: Leben und Taten des Dionysos, S. 539)
"Eos, die Mutter der Schlachten, verscheuchte des trostreichen Hypnos
Schwingen und öffnete weit jetzt die Tore der steigenden Sonne,
stieg von dem Lager des Lichtbringers Képhalos."
(Nonnos: Leben und Taten des Dionysos, S. 648)
"Als noch dies und die Kunst der mutige Phaëthon staunend
Musterte, sieh, da tut im geröteten Osten Aurora
Wach das purpurne Tor schon auf und den rosenbestreuten
Vorhof. Bald ist das Heer der Gestirne verscheucht, und den Zug schließt
Lucifer, welcher zuletzt abzieht von der Wache des Himmels."
(Ovid: Verwandlungen (Metamorphoses), S. 51)
Literatur und Quellen:
Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie
alle Zitate aus "Digitale Bibliothek Band 30: Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos"
Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Eos_(Mythologie)#Mythos
artemisathene
Hymnos auf Eos
Du, die den Menschen den leuchtenden Tag bringt, höre mich, Göttin,
strahlende Eos! Mit rötlichem Glanz erfüllst du das Weltall,
Botin des großen Titan, des hocherhabenen Gottes,
sendest durch deinen Aufgang die Nacht auf den dämmer-umwobnen
düsteren Weg in die Tiefen der Erde. Zur täglichen Arbeit
gehst du voran, du waltest als Herrin des Lebens den Menschen.
Gerne erblickt dich der Irdischen schwaches Geschlecht. Und nicht einer
möchte sich deinem Anblick, erscheinst du dort droben, entziehen,
scheuchst du hinweg von den Augenlidern den köstlichen Schlummer.
Jeder Sterbliche freut sich und jedes lebende Wesen,
Vierfüßer, Vögel, die zahlreichen Arten der Meeresbewohner;
bietest du Unterhalt doch den Geschöpfen im Wirken des Tages.
Spende, du Selige, Reine, dein heiliges Licht den Geweihten!
[Anonyma: Orphische Hymnen, S. 13. Digitale Bibliothek Band 30: Dichtung
der Antike von Homer bis Nonnos, S. 154 (vgl. Griech. Lyrik, S. 461) (c)
Aufbau-Verlag]
 
Farbsymbolik Rot
Geschichtliches
Die Farbe Rot ist von allen Farben die älteste, die den Menschen vertraut war. Sie ist die magische Farbe der Urzeit, wenn man so will, denn sie stellt das erste und wichtigste Farbmittel der Menschheitsgeschichte dar, das aus verschiedenen Erdsorten, Mineralen, Eisenoxid, Zinnober, der Krappwurzel, der Purpurschnecke, tierischem oder menschlichem Blut und den weiblichen Kermesläusen (Cochenille) gewonnen werden konnte. Mit einigen Materialien davon wurden beispielsweise in der Altsteinzeit die berühmten Höhlenmalereien gestaltet. Teilweise wurden die Farbstoffe bis ins 19. Jahrhundert hinein verwendet. Verschiedene Tests und Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass Rot nach dem Hell-Dunkel-Kontrast die erste Farbe ist, die das menschliche Auge registriert. So brauchen wir zum Erkennen roten Lichts 0,02 Sekunden, blaues Licht dagegen wird erst nach 0,06 Sekunden wahrgenommen werden. Dies wird heutzutage besonders im Straßenverkehr und bei der Werbung ausgenutzt.
Sprachliches
In den indoeuropäischen Sprachen hat das Wort "rot" die gemeinsame Wurzel "rudhira" (aus dem Sanskrit), was Blut bedeutet. Daneben wird beispielsweise im Russischen "rot" und "schön" mit demselben Wort ("krasny") bezeichnet und im Spanischen steht "colorado" sowohl für "rot" als auch für "buntfarbig". Außerdem gibt es in allen Sprachen fast unendlich viele unterschiedliche Bezeichnungen für einzelne Farbnuancen im Bereich des Rot. Dabei wird häufig auf Wörter zurückgegriffen, die für einen bestimmten Rot-Ton bekannt sind, so etwa in Erdbeerrot, Rubinrot oder auch Terracotta. Es wird also auch auf sprachlicher Ebene immer wieder ersichtlich, dass keine andere Farbe symbolisch so aufgeladen ist wie das Rot.
Kulturelles
Im China des 13. Jahrhunderts vor unserer Zeit galt Zinnoberrot als Farbe des Blutes und symbolisierte so das Leben. Es wurde in Gräbern gefunden, in denen die Toten mit dem roten Farbstoff bestreut wurden. Bei Konfuzius symbolisiert Rot "Federvieh, Feuer, Wärme und Süden" [1, 17], was sich mit der indianischen Farbsymbolik deckt. Im alten Ägypten wurde die Farbe Rot mit der Hieroglyphe des Flamingos dargestellt. Dort galt Rot als Farbe für Blut, Feuer, Hitze und Gefahr und war daher eher negativ besetzt. Denn Rot ist die lebensfeindliche Wüste um das Niltal und dort herrscht auch der Chaos und Übel verbreitende Gott Seth, dessen Farbe folglich ebenfalls Rot ist. Als ein weiteres Beispiel für die negative Besetzung der Farbe mag die Tatsache dienen, dass Unglück bringenden Tage mit roter Farbe aufgeschrieben wurden. Auch bei den Maya war Rot die Farbe der Toten, des Übels und des Bösen. Im germanischen Kalender wurden hingegen die Todestage ihrer Helden in Rot geschrieben, was im christlichen Kalender später übernommen wurde. Donar wird mit roten Haaren und Bärten dargestellt und auch die rotgefärbten Tiere wie beispielsweise der Fuchs werden ihm zugerechnet. Die Römer verknüpften Rot mit dem Kriegsgott Mars. Im Christentum symbolisiert Rot den Heiligen Geist und das Märtyrertum, wie dies Dante Gabriel Rossetti in seinem Bild Beata Beatrix durch den roten Vogel versinnbildlicht. Im Islam steht Rot für das trockene, warme Feuer, aber auch für Moses. In den Konventionen der Heraldik (=Wappenkunde) steht Rot oft für Mut. Die Bedeutung der Farbe Rot als Symbolfarbe der Liebe wird heute besonders im "Rotlichtviertel" als non-verbales Kommunikationszeichen eingesetzt.
In der Politik steht Rot für Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten, also eher links orientierte Weltanschauungen. Von der anderen Seite wird gegen sich mit der Parole der "roten Gefahr" polemisiert. Der Ursprung dieser Farbbevorzugung mag in der russischen/sowjetischen Siegesflagge liegen, die einen gelben Stern auf rotem Grund zeigt, aber Rot könnte auch als Zeichen für vergossenes Blut, als Zeichen für die Revolution schlechthin stehen und daher zur Wahlfarbe der linksorientierten Bewegungen geworden sein.
Die Ambivalenz der roten Farbe wird durch diese subjektive Auswahl bereits sehr deutlich: Rot kann für Leben genauso stehen wie für Tod, für Erneuerung genauso wie für Zerstörung.
Aus der Natur
Besonders Vögel und Schmetterlinge lieben die Farbe rot und wählen ihr Futter dementsprechend. Ein Aufsehen erregendes Rot wird von Tieren sowohl eingesetzt, um Feinde abzuwehren (der aufgestellte Kamm des Hahns), als auch um Partnersuche und Paarungsbereitschaft anzuzeigen (der rote Hintern der Pavianweibchen oder der rote Kehlsack des Fregattvogels).
Viele Tiere besitzen jedoch eine stark von unserer abweichende Farbwahrnehmung (wie die Insekten) oder sind sogar farbenblind. So wird der Stier nicht durch das rote Tuch vor seinen Augen wild (das werden eher wir Zuschauer, die wir durch die rote Farbe angeregt werden), sondern durch die Bewegungen des Stierkämpfers selbst.
Medizinisches/Psychologisches
Rot signalisiert dem Gehirn, dass etwas Wichtiges, Eiliges, Akutes oder Intensives vor unseren Augen passiert, das unsere Aufmerksamkeit fordert. Das Abwehrsystem, die Atmung und das Nervensystem werden aktiviert und der Blutdruck steigt. Erhöhte Muskelreaktionen, schnellere Reflexe und ein gesteigertes Maß an Aggressivität bereiten den ganzen Körper auf einen Kampf oder eine Flucht vor.
Daneben steigert rotes Licht den Appetit und verursacht ein Wärmegefühl, wirkt aber gleichzeitig bei ständiger Bestrahlung auch wachstumshemmend und somit letztendlich tödlich wie Experimente mit Mäusen und Kresse gezeigt haben [2, 17-19].
In der Psychotherapie wird das Aggressionspotential, das die Farbe hervorrufen kann, genutzt, um sexuelle Blockaden aufzulösen. Außerdem wird es in der Psychomedizin gegen Angst, Schwäche, Minderwertigkeitsgefühle, Unentschlossenheit, Depression, Schüchternheit oder Hemmungen eingesetzt. Rot erscheint dabei als "wilder Kamerad" [2, 87], der uns fördert und fordert und immer auf Trab hält.
Seit jeher wurden rote Steine und seit kürzerem auch rotes Licht in der Farbtherapie wegen ihrer engen Verbindung zum Blut auch für die Heilung von Blut-, Leber- oder Gallenerkrankungen gebraucht.
Quellen:
[1] Welsch, Norbert/Liebermann, Claus Chr.: Farben. Natur Technik Kunst.
Heidelberg/Berlin: Spektrum Akademischer Verlag 2003
[2] Ryberg, Karl: Farbtherapie. Die Wirkung der Farben auf Körper und
Seele. Ein praktischer Ratgeber. München: Mosaik Verlag 1991
[3] Braem, Harald: Die Macht der Farben. München: Wirtschaftsverlag Langen
Müller/Herbig 52003
Annika
 
Die Rote Frau
Die Rote Frau ist ein mächtiger Archetyp, in mir gerät etwas ins Schwingen, wennich mich mit ihrer Symbolik beschäftige. Warum aber rote Frau und nicht rote Göttin, wo doch der bekannteste rote Archetyp die mütterliche Göttin ist? Die rote Frau ist näher. Sie ist eben eine Frau, die die Göttin in sich trägt. Ich kann diese Frau sein, du kannst diese Frau sein. Wir sind (manchmal) eine rote Frau – dann, wenn wir ganz in uns und unserer Kraft ruhen. Die rote Frau ist unser Potential. *
Die rote Frau ist eine Frau, die in ihrer eigenen Macht ruht – ihrer Eigenmacht. Sie erlebt die Kraft ihres Zyklus, des Eisprungs, der Blutzeit und den Zwischenzeiten. Sie lebt die Kraft ihrer Sexualität. Sie ruht in ihrer Mitte und ist mit der Erde verbunden. In ihr lodert aber das rote Feuer der Blutkraft und sexuellen Kraft. Sie ist unabhängig und eigenverantwortlich.
Aus ihrer Unabhängigkeit heraus kann sie Sorge tragen für die Kinder, die Familie oder Clan – aber immer aus ihrer Mitte heraus mit der Kraft, zu der sie den Zugang hat. Sie formt und schafft mit ihrer Energie. Die rote Frau ist zentrale Kraft der matriarchalen Gesellschaft. Durch ihre Verbindung mit sich selbst und der Göttin fließt die Lebenskraft in alle wichtigen Bereiche des Lebens.
Das gute an der roten Frau ist, dass sie noch nicht domestiziert und vereinnahmt von unserem patriarchalischer Gesellschaft und Kultur ist. Der Archetyp der Mutter ist schwieriger zugänglich, müssen wir uns erst durch entfremdete Pseuedoarchetypen des Patriarchats und negative Erfahrungen durchschälen.
Genaugenommen beinhaltet aber meine Vorstellung der roten Frau, mehrere bekannte andere Archetypen (die aber auch allesamt negativ überbaut sind): Die Kaiserin, die Mutter, Femme Fatale bzw Konkubine/ Hure, die Matrone, die Priesterin. Aber die rote Frau ist eben nicht eine dieser Archetypinnen, sondern ihre eigene Mischung aus postiven Kräften, die mensch auch in den anderen Bildern finden kann.
Zu der roten Frau können wir einfacher Zugang finden als durch diese patriarchal verschleierten Archetypen. Zum Beispiel durch frühe Göttinnendarstellung. Ich meine jetzt ausnahmsweise mal nicht die Venus von Willendorf, sondern die stark vereinfachten Symbole, wie sie M. Gimbutas untersucht hat. Frauen, die breitbeinig stehend dargestellt werden, oder als X – Arme hoch und Beine außeinander. So kann die rote Frau – und andere spannende Dinge – auch erfahren werden, wenn wir uns in X-Form aufstellen und diese Stellung rituell wirken lassen.
Für mich persönlich ebenfalls ein Abbild der roten Frau ist die Schamanin oder Vogelgöttin aus Kreta, denn auch hier ist die Stellung der offenen Beine, zusammen mit der Fähigkeit, fliegen zu können / Welten zu wechseln - also direkten Kraftzugang zu haben. Ebenso die barbusige Schlangenpriesterin, oder eben andere starke heile Frauen, eben Abbildungen, bei denen wir beim Betrachten nicht sicher sind, ob es eine Frau oder eine Göttin ist. Betrachten wir die Abbildungen mal als normale sterbliche Frau, so erinnern wir uns selber daran, dass auch wir so sein können.
Die Kraftquelle der roten Frau ist ihre Körperweisheit. Sie handelt für sich, bestärkt sich und wird dadurch stark, in dem sie mit ihrem Zyklus und ihrer Sexualität lebt und diese nicht beschneidet oder verleugnet.
Die Rituale der roten Frau sind – rot :) Menstruationsrituale, rote Farbe, Blut oder Lehm können die wilde rote Frau in uns wecken. Eigentlich ist die rote Frau ja nicht ganz wild, sie ist schon eingebettet in einen Kontext. Aber vom Standpunkt unserer heutigen patriarchalen Weiblichkeit ist sie eben wild, dadurch, dass sie ihre eigene Kraft positiv und vollständig ausleben kann.
Die rote Frau lebt logischerweise im Hier und Jetzt. Ich denke, sie versucht nicht, ihr Ego aufzulösen oder Erleuchtung zu erlangen, sondern Sie erforscht und lebt ihre Kraft und setzt diese Kraft für das Leben selbst ein. Sie gestaltet ihre Wirklichkeit.
Zugang zur roten Frau in uns können wir erhalten, wenn wir mit dem Körper, der Sexualität und unserer Kraft arbeiten. Hier einige Vorschläge dazu:
die bewegte Mata Shakti Meditation aus dem Kundalini-Yoga (siehe Ausgabe 13 )
die Erforschung des Zyklus und der Sexualität
Bauchtanz
auch Körperbemalung ist immer ein spannendes Erlebnis, um anderePersönlichkeitsanteile in uns zu wecken und zu bestärken
Blutmagie
Beckenbodenübungen
Ich wünsche uns allen viel rote Kraft, lasst uns mitschwingen im Strom des Lebens und unsere Wirklichkeit schaffen!
*Nun gut, vielleicht nicht als Teenagerin, die Rote Frau ist eben nicht die Amazone oder das Mädchen. Und wahrscheinlich ist auch die Schwarze Frau unser Potential, aber dieses kenne ich noch nicht.
jana
Rot wie Blut
"Blut ist ein ganz besondrer Saft." So sagt es Mephisto in Goethes "Faust".
Es lohnt sich die Bedeutung und die Symbolik des Blutes genauer zu betrachten. Kaum ein Körpersaft hat es zu dieser Präsenz in der Sprache, Symbolik und Mythologie aller Völker gebracht wie das Blut.
Grundsätzlich wird Blut als Synonym für das Prinzip des Lebens gebraucht. Wirkt jemand "blutleer" so assoziiert man damit mangelnde Lebenskraft, fehlende Dynamik und eine geringe Ausstrahlung. Entrinnt das Blut dem Körper, so entrinnt dem Betroffenen das Leben.
"Blutjung" hingegen erweckt in uns Bilder von rosigen Gesichtern, von dynamischer Bewegung und strahlender Persönlichkeit.
Von "dem selben Blut" ist man dann, wenn man "blutsverwandt" ist. Der Begriff der genetischen Verwandtschaft ist ja noch recht jung, weshalb für die Vorstellung einer familiären Verwandtschaft lange Zeit die Übereinstimmung des Blutes vermutet wurde. Das reichte sogar so weit, dass nicht nur Familien als Blutsverwandte angesehen wurden, sondern ganze Sippen, Clans oder Völker. In Deutschland wurde erst 2000 das "Ius Sanguinis", das "Blutrecht" der Abstammung, durch das Geburtsprinzip ("Ius Soli") ersetzt.
Der Begriff der "Blutschande", der im Nationalsozialismus für eine Verbindung von Juden mit "Deutschblütigen" stand, macht uns die Möglichkeit der Fehlinterpretation des Begriffes "eines Blutes" zu sein, sehr schmerzlich bewusst.
Auch die Vorstellung, dass adelige "blaues Blut" besäßen und sich damit nachweisbar vom "gemeinen Volk" unterschieden, ist in höchstem Maße diskriminierend. Dies erklärt aber auch, warum man in Adelskreisen lieber unter sich blieb, als das "Blut" zu vermischen.
Wieso legt der Lieblingsdichter der Deutschen, Johann Wolfgang von Goethe, dem Mephistopheles die oben zitierten Worte in den Mund? Was war an Blut das Besondere? Wieso ging man davon aus, dass ein Vertrag der mit Blut geschrieben war die sicherste Variante eines Bündnisses darstellte?
Es ist bekannt, dass das Unterzeichnen mit Blut nicht nur in der Literatur eine Rolle spielt, sondern durchaus über Jahrhunderte so praktiziert wurde.
Die Antwort liegt in der Vorstellung, dass im Blut die Seelenkraft eines Menschen enthalten sei. Die Ursprünge dafür liegen sicherlich in schamanischen Vorstellungen, die weit über die Zeit der schriftlichen Aufzeichnungen hinausgehen. Viele Naturvölker sind noch heute der Ansicht, dass die Seele eines Menschen oder Tieres mit dem Blut des Lebewesens auf ein anderes übertragbar ist. So ist es seit Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden üblich das Blut eines Tieres und früher auch von Menschen zu trinken, um sich mit der Seele und den charakteristischen Eigenschaften des Trägers zu vereinen.
Aus der Nibelungensage ist der Bluttrank bekannt und Hovorka-Kronfeld gibt an dass ein altgermanischer Krafttrunk aus Ochsenblut, Wein und Honig bereitet wurde.
Plinius berichtet von der Praxis Epileptikern das Blut von Gladiatoren zu trinken zu geben. Auch hier steckt sicherlich die Vorstellung dahinter, dass die Kraft und Stärke der Kämpfer dem Fallsüchtigen zur Genesung verhelfen könne.
In späteren Zeiten sollen Soldaten das Blut ihres heldenhaft gestorbenen Heerführeres getrunken haben oder ein mit Blut getränktes Hemd übergezogen haben, um unbesiegbar zu werden.
Das Entziehen von Blut hingegen sollte Hexen schwächen. Somit gehörte ein Aderlass zu den beliebten Techniken der Folterer.
Die Praktik des Bluttrinkens zum Zwecke der Übertragung der Seele oder der Charaktereigenschaften eines Wesens sind vom Christentum und dem Islam stets geächtet und mit harten Bußen belegt worden. Interessant wie ich finde, denn erinnern wir uns nicht daran, dass der Messwein in der heiligen Messe das "Blut Christi" darstellten soll! Wird nicht auch hier die magische Wirkung des Blutes beschworen?
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die "Blutreliquien" (angeblich das Blut Christi oder einer/es Heiligen in Phiolen aufgefangen) oder die "Blutwunder" einiger christlicher Statuen, die Blut weinen oder aus den Kreuzigungsmalen bluten sollen.
Tatsächlich hielt sich der Glaube an die magische Wirkung von Blut bis in die Neuzeit. Es gibt diverse Rezepte für Liebeszauber die Blut enthalten. So wurde Blut als Tinte für magische Liebesbriefe benutzt (s.o.), oder aber in den Trank einer Person gegeben deren Liebe und Zuneigung man sich versichern wollte. Besonders beliebt war hierbei Menstrualblut. Es durfte aber auch das Blut aus der Fingerbeere sein, wenn Menstruationsblut gerade nicht verfügbar war.
Auch um Abwehrzauber zu wirken wurde Blut eingesetzt. Es galt als Dämonen und Hexen abwehrend und als Ahnengeister besänftigend. So war es üblich, die Türpfosten und Haustüren mit Blut zu beschmieren um ein Eindringen "des Bösen" zu verhindern.
Diese apotropäische Wirkung beruht auf alten Vorstellungen, wie sie bereits in den orientalischen Kulten anklingen. Seit Alters her benutzte man Blut zur "Reinigung" und "Entsühnung". Das Blut eines Opfertieres wurde zur spirituellen Reinigung eingesetzt. Überliefert ist dies vom Kult der orientalischen Göttinnen Kybele und Ishtar, später auch aus dem Mithraskult. Dort spielte die so genannte "Bluttaufe" das "Taurobolion" eine zentrale Rolle. Derjenige der sich spirituell reinigen lassen wollte, stand in einer Grube unter Holzbrettern. Über ihm wurde ein Stier geschlachtet, dessen Blut über den "Täufling" rann und ihn so entsühnte.
Auch bei den Germanen war die Reinigung durch Blut bekannt.
Das Opferblut eines Tieres oder in Extremfällen auch eines Menschen war und ist Bestandteil vieler religiöser Riten. Noch heute gibt es kultische Tieropfer.
Schon Homer beschreibt, dass den Verstorbenen Opferblut auf die Gräber und Scheiterhaufen gegeben wurde um sie zufrieden zu stellen. In der Odyssee lenkt Odysseus die Seelen der Verstorbenen mit Blut ab, um zum Hades vordringen zu können. Die Gier der Toten nach frischem Blut ist symbolisch für die Hoffnung auf eine Erneuerung des Lebens durch ein Blutopfer.
Vertiefungen in kultisch genutzten Steinen und so genannte "Blutrinnen" zeugen auch in unserem Land von der Bedeutung des Blutes in religiösen Kulten. Wobei es keine schriftlichen Zeugnisse dafür gibt und die Behauptung deshalb unbestätigt bleiben muss. Natürlich können diese Vertiefungen auch für Milch, Wein oder Bier benutzt worden sein.
Der Brauch, das Blut eines Opfertieres auf die Erde rinnen zu lassen, zeigt die Verbindung zu den Fruchtbarkeitsriten einiger antiker Kulte. So mutmaßt Marion Giebel in ihrem Buch "das Geheimnis der Mysterien", dass das Stierblut die Erneuerung des Lebens aus der Urmutter Erde bewirken soll. Wenn die Erde trocken und kraftlos geworden ist, soll das Blut des Stieres (symbolisch für den Samen des männlichen Prinzips) die Erde erneuern, neu befruchten, damit sie erneut Früchte tragen kann.
Aus Mittelamerika sind eine ganze Reihe von blutigen Kultgebräuchen bekannt geworden. Auch hier gibt es häufig einen Zusammenhang von Fruchtbarkeitsriten und blutigen Opferritualen.
In der Prophetie, der Weissagung und Traumdeutung Mitteleuropas finden wir Blut als Symbol wieder. Träume von Blut konnten ein drohendes Feuer, den Tod eines Blutsverwandten oder geliebten Menschen ankündigen. In einigen osteuropäischen Ländern hingegen galt es als positives Zeichen zu träumen, dass man Blut trinkt oder sammelt.
Das Blut unschuldig Gestorbener soll, wie diverse Beispiele zeigen, den Mörder überführen helfen, da es sich, wie die Legende berichtet, nicht abwaschen ließ. Berühmtestes Beispiel dafür ist sicher Geschichte Macbeths, der Lady Macbeth verzweifelt versucht ihre Hände von dem Blut der Ermordeten rein zu waschen, doch vergebens. Sie kann sich nicht von der Schuld reinwaschen (sieht in Visionen noch immer das Blut an seinen Händen) und wird darüber verrückt.
Blut wurde und wird noch heute zu Heilzwecken eingesetzt. Durch die Jahrhunderte hindurch und in allen Kulturen und Nationen gibt es entsprechende Berichte. Und selbst dort wo es keine schriftlichen Zeugnisse gibt, kann man sicher sein, dass menschliches oder tierisches Blut in der Medizin eingesetzt wurde. Wie oben schon berichtet gab man, wie Plinius ausführt, Epileptikern das Blut von Gladiatoren zu trinken.
Auch Tierblut wurde zu Heilzwecken eingesetzt. Plinius empfiehlt beispielsweise Krokodilblut bei Flecken auf der Hornhaut und das Blut der Schildkröte zur Schärfung der Augen.
Zu Zeiten als bei uns noch regelmäßig öffentliche Hinrichtungen stattfanden, konnte man Menschen beobachten, die sich beeilten das Blut eines Geköpften mit Gefäßen aufzufangen. Es galt als "Jungbrunnen". Dahinter verbirgt sich die Vermutung, dass die nicht verbrauchte Lebenszeit und somit Lebenskraft des Hingerichteten in seinem Blut gespeichert sei und derjenige sie sich aneignen könne,der das Blut des Unglücklichen trank. Besonders makaber ist auch der Brauch von gestorbenen Kindern das Blut als "Elixier vitae" = Lebenselixier zu trinken.
Heilmittel mit Blut waren über lange Zeit gängige Medizinerzeugnisse und konnten in den Apotheken gekauft werden.
Heute kennen wir noch die Praxis der Eigenbluttherapie zur Immunstimulation und zur Umstimmung bei chronischen Erkrankungen. Zudem gibt es in der Alternativmedizin Methoden um das Blut eines Kranken mit Sauerstoff oder gar Ozon anzureichern, um die Heilung zu unterstützen, das Immunsystem und den Stoffwechsel anzuregen und die Durchblutung zu fördern.
Das wohl bekannteste Heilmittel der Medizingeschichte ist aber der Aderlass. Über Jahrhunderte praktiziert, war er lange Zeit fast das einzige Therapeutikum der Ärzte. Den medizinphilosophischen Hintergrund dazu bildete die so genannte "Säftelehre", die bereits in der Antike Therapiegrundlage war. Schon Hippokrates teilt die menschlichen Säfte in Blut, gelbe und schwarze Galle und Schleim. Ein Übermaß an einem oder mehreren Säften musste abgeleitet werden um eine Genesung herbeizuführen. Dafür gab es pflanzliche Heilmittel (Brechmittel oder Laxantien) oder aber im Falle des Blutes: den Aderlass. Noch heute nutzt die moderne Medizin den Aderlass, allerdings ist der Einsatz selten geworden. Blutkrankheiten wie die Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) erfordern nach wie vor den regelmäßigen Aderlass.
Ganz nüchtern und naturwissenschaftlich betrachtet ist Blut ein Transportmedium unseres Körpers. Es besteht aus zelllulären Bestandteilen wie roten und weißen Blutkörperchen, Blutplättchen und dem flüssigen Anteil, dem Blutplasma. Der Mensch hat ca. 5-6 Liter Blut (Männer ca. einen Liter mehr als Frauen).
Das Plasma enthält neben Wasser und Eiweiß (Proteinen) eine Menge gelöster Salze (Natrium, Kalium, Chlorid, Calzium, Phosphat- und Magnesium-Ionen). Die Proteine (Globuline und Albumine) sind für die Immunabwehr, die Blutgerinnung, den Sauerstofftransport und den PH-Wert und den osmotischen Druck zuständig. Der Anteil der Blutzellen wird Hämatokrit (Häm = Blutfarbstoff) genannt. Die roten Blutkörperchen werden Erythrozyten, die weißen Leukozyten und die Blutplättchen Thrombozyten genannt. Erythrozyten (rote Blutkörperchen) sind wegen ihres Eisengehaltes für den Transport von Sauerstoff notwendig. Leukozyten (von leukos = griechisch weiss) sind die Immunabwehrzellen des Blutes. Die Thrombozyten (Blutplättchen) sind für die Blutgerinnung verantwortlich.
In erster Linie erfüllt das Blut Transportfunktionen. Sauerstoff wird über die Lungen aufgenommen und mit Hilfe der Herz-Kreislauf-Pumpfunkion in die Organe und Zellen des Körpers transportiert. Außerdem werden Nährsalze und Hormone weitergeleitet. Auch der Abtransport verbrauchter Bestandteile wird durch das Blut gewährleistet. Kohlendioxid und Abfallstoffe werden via Blut über die Leber und die Nieren entsorgt. Über dies hinaus werden PH-Wert sowie Wasser- und Wäremehaushalt des Körpers über das Blut reguliert.
Zur Symbolik und spirituellen Bedeutung des Menstruationsblutes lest ihr in Janas Text zum Menstruationsblut oder unter http://www.rotermond.de
Quellen und Links:
Lexikon des deutschen Aberglaubens
Das Geheimnis der Mysterien, Marion Giebel
Plinius, Naturkunde (Tusculum)
Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Blut
http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturgeschichte_des_Blutes
http://de.wikipedia.org/wiki/Blutopfer
artemisathene
Menstruationsblut und die Kraft der Frau
Das Blut ist Träger der Lebenskraft des Menschen. Nicht nur, ist unser Blut elementar zum Leben notwendig – und von daher sehr kostbar. Es trägt – so waren sich die Kulturen früher relativ einig – auch unsere Macht, unsere Eigenheiten und unser Chi, wie wir heute sagen würden. Früher wurde auch die Seele im Blut angesiedelt. Dass Blut etwas Besonderes ist, hat sich bis heute gehalten. Obwohl in der heutigen Gesellschaft ja Körperfunktionen und Körpersäfte distanziert und abwertend (eklig, schmutzig) betrachtet werden, so ist doch noch ein Hauch des Mysteriums des Blutes zu spüren, wie auch die Beispiele in dem Artikel "rot wie Blut" in dieser Ausgabe verdeutlichen.
Das Menstruationsblut ist eine besondere Form des Blutes. Die erste Assoziation heute, dürfte dazu wohl "schmutzig" sein. Das ist das, was unsere Gesellschaft(en) über so lange Zeit uns glauben machen wollen - Generation für Generation. Denn: Menstruationsblut war die mächtigste Substanz überhaupt. Es ist das Blut, dass den Körper ohne Schmerz in einer wichtigen elementaren Körperfunktion verlässt. Es ist das Blut, das die Weisheit, die Kraft und die Macht der Frauen beinhaltet. Und von daher in patriarchalen Zeiten ein Quell der Furcht.
Die Zahl der heute noch bekannten (fast ausschließlich negativen) Mythen ist immens: Die Milch würde sauer, die Kühe geben keine Milch mehr, die Hefe geht nicht auf, Neugeborene können sterben, wenn eine Menstruierende in der Nähe ist,... eigentlich kann fast nichts in der Natur einer blutenden Frau das Wasser reichen – wobei natürlich aus ideologischen Gründen ausschließlich die negative Kraft betont wird. Nun können wir heute sagen: Das ist alles Quatsch: Gut, ich kann nicht erkennen, dass mein Blut eine direkte Auswirkung auf die Hefe im Kuchen hätte und doch können uns diese Mythen mehr sagen, als nur auf welche Weise versucht wurde, uns die Verbindung zu unserer Blutung zu rauben. Sie zeigen einfach auch, welchem Stellenwert dem Menstruationsblut beigemessen wurde. So gibt es eigentlich nichts, wozu eine blutende Frau nicht die negative Macht hätte – also heißt das ja wohl, es gibt nach diesen Überlieferungen nichts, wozu eine blutende Frau nicht die positive Macht hätte. Das Negative können wir einfach als Angst- und Panikmache, als absichtliches Mittel zur Beeinflussung und Steuerung herauslöschen.
Älter als diese Mythen ist die Vorstellung, dass Frauen bluten, um ihre Macht zu nutzen bzw. zu teilen, sozusagen das Leben damit in Gang halten. Blutet eine Frau im Alter nicht mehr, so behält sie ihre Macht und Weisheit bei sich und wird zur Weisen Alten, zur Ratgeberin. Blutet eine junge Frau nicht mehr, so formt sie aus dem eingehaltenem Blut ein Baby.
Die Macht des Menstruationsblutes ist nicht ganz von der Macht des Zyklus zu trennen. Denn immerhin war damit die Frau direkt dem Erd- bzw Mondrhythmus verbunden. Sie konnte in der magischen Zeit vermutlich besonders gut in die Zukunft schauen, reisen und Magie weben. Der Zyklus der Frauen (der ja im Gleichklang in den kleinen Gemeinschaften schwingt), war Abbild des Zyklus des Lebens, die Frauen direkte Repräsentantinnen des Lebensprinzips. Ich vermute stark, dass die Frauen gemeinschaftlich rituell die meiste Magie zur Zeit kurz vor dem Blut oder während des Blutens betrieben. Generell gilt ja Blut als Machtträger. Und tief irgendwo im Unbewussten vergraben, ist die Frau die Machtträgerin. Nämlich der Macht von Leben und Tod – durch ihr Blut und ihre Fähigkeit, Kinder zur Welt zu bringen (und sie zu nähren).
Ich denke nicht, dass wir uns einen Gefallen tuen, wenn wir heute dies als überholte biologisierte Weltsicht abtun, denn dort liegt unsere Kraft. Das ist keine Kraft, die Grenzen zieht und jemanden ausschließt, es geht hier nicht um Definitionen, Ideologien , vorgeschriebenen Verhaltensweisen oder Verteilung von Macht über andere, es geht um die Lebenskraft und Lebensmacht, die unseren Körpern zu eigen ist, und der wir eine spirituelle Bedeutung geben können*, um uns gesund, wertvoll, machtvoll und als heil(ig) zu erleben.
Ein elementares und wichtiges Ritual des Blutes ist, das Blut rituell Mutter Erde wieder zu geben. Wir können uns damit mit der Erde, mit der Lebenskraft, der Göttin, rückverbinden. Wir tauschen Energien aus, geben von unserer Macht ab, um die Verbindung zu stärken, um im Einklang zu sein und unseren Teil zu tun, für das Gleichgewicht des Lebens. In einem alten baltischen oder slawischen Brauch wurden menstruierende junge Frauen mit Gesang und Tanz über die Felder geschickt, um die Fruchtbarkeit der Felder zu sichern. ** Und Menstruationsblut ist übrigens tatsächlich ein sehr überzeugender Dünger. In ähnlichem Kontext ist auch das Bluten auf die Erde / für die Erde zu sehen. Wir geben der Erde damit symbolisch einen Teil von uns selbst ab, damit sie es für all das vielfältige Leben nutzen kann. Wir spüren dann wieder besser, dass wir ein Teil der Erde sind, dass dies alles ein großes wundersames Gesamtgebilde des Lebens ist, in das wir eingebunden sind. Vielleicht ist das auch ein Weg, wie wir die Erdheilung unterstützen können. Ganz sicher unterstützen wir damit unsere eigene Heilung, denn die Tatsache, dass unsere einzigartige und gesunde (zudem höchst magische und spirituelle) Körperfunktion so abgewertet und verteufelt wrude, heute als unpraktisch und überflüssig gesehen wird, schadet uns und trennt uns von unserer Kraft.
*oder deren spirituelle Bedeutung wir anerkennen können
**was wir ja auch von sexuellen Riten kennen.
Für mehr Texte und Anregungen zur Blutzeit und zum Zyklus siehe
www.rotermond.de sowie die Schlangengesang Ausgabe 14
jana
 
Roter Ocker – Farbmagie von der Steinzeit bis heute
Seit über 100.000 Jahren hat die Farbe rot, roter Ocker, im Leben der Menschen kultische, mythische und kulturelle Bedeutung.
Bis heute ist Rot für uns eine Farbe mit starker Signalwirkung und großem Symbolgehalt. Das Bedeutungsspektrum umfasst so verschiedene Bereiche wie Aufmerksamkeit, Warnung, Gefahr, aber auch Liebe und Erotik, Lebenslust und Lebensfreude. Natürlich ist diese Aufzählung nicht annähernd erschöpfend, aber dies ist auch nicht Thema dieses Textes.
Rot gehört zu den warmen Farben - und Rot lässt niemanden kalt.
Aber war das schon immer so? Wie hat sich der Symbol- und Bedeutungsinhalt dieser Farbe entwickelt und wo ist der Ursprung?
Allem Anschein nach ist Rot eine der ersten Farben, wenn nicht die erste Farbe, die kultisch verwendet wurde. Roter Ocker, Erdfarben überhaupt, sind dabei zu den ältesten Farbmitteln zu zählen.
Erste Zeugnisse zur Verwendung der Farbe Rot stammen aus der Steinzeit und stehen im Zusammenhang mit den Bestattungsriten unserer Urahnen. Das älteste gefundene Grab wurde bei La Ferrassie in der Dordogne-Region in Frankreich entdeckt. Es wird auf ein Alter von rund 100.000 Jahren geschätzt und weist einige wesentliche Merkmale auf, die bis ans Ende der Jungsteinzeit nicht nur bei Bestattungen, sondern auch im Alltag unserer Vorfahren eine bedeutende Rolle spielten:
- die Verstorbenen wurden in Ost-West-Richtung bestattet
- in den Gräbern wurde roter Ocker gefunden, bei späteren Bestattungen waren die Toten damit bestreut
- bei den Bestatteten wurden Grabbeigaben wie Knochen mit geritzten Linien oder Dreiergruppen von Steinen und Werkzeugen gefunden, mitunter waren diese rot gefärbt
Die Ur-und Frühgeschichtlerin Marie P. König hat sich ausführlich mit den Zeugnissen unserer eiszeitlichen Vorfahren auseinandergesetzt und sich, ähnlich wie Marija Gimbutas, davon gelöst, das Leben unserer Vorfahren aus unserem heutigen Kulturverständnis heraus zu betrachten.
Sie interpretiert Ritzungen von Linien und Kreuzen als Fähigkeit der frühen Menschen so abstrakte Begriffe wie "Richtung" an sich oder mittels des Kardinalkreuzes die vier Himmelsrichtungen darzustellen. Anhand vieler Beispiele belegt sie ihre These und zeigt so auch, welche Bedeutung die Ausrichtung der Toten im Grab spielen kann – und deren Verbindung zur Farbe Rot:
Unsere Urahnen bestatteten ihre Toten in Ost-West-Richtung, der Richtung, die auch dem Lauf der Sonne entsprach, wenn sie morgens rot am Osthimmel geboren wurde und abends blutrot im Westen starb, - um am nächsten Morgen im Osten wiedergeboren zu werden . Dabei färbten sie die Bestatteten mit rotem Ocker,- der Farbe von Sonne und Himmel. Rot – eine Farbe des Lebens und der Wiedergeburt.
Die Verwendung von rotem Ocker bei Begräbnissen zieht sich durch die ganze Steinzeit, manchmal sind es bis zu 10 kg, in die die Toten richtiggehend eingepackt sind.
Bei den Lagerstätten oder in der Nähe der Gräber wurden auch andere Erdfarben wie Mangan und Kalk gefunden. Bei Bestattungen wurde jedoch ausschließlich roter Ocker verwendet. Dies lässt darauf schließen, dass diese Erdfarbe unter rituellen Gesichtspunkten gewählt wurde.
Aber bald fand Rot weitere Verwendung:
Weltweit bekannt sind die Höhlenmalereien von Lascaux und Altamira. Dafür verwendeten die Maler im roten Bereich vornehmlich roten Ocker oder Blut.
Weibliche Statuetten weisen Spuren von roter Färbung auf. So die berühmte Venus von Willendorf, ebenfalls eine androgyne Figur, die laut Marie König in einer Weinberghöhle bei Mauern, Bayern gefunden wurde, und auch die Frau mit Horn von Laussel.
Verschiedentlich wurden in den frühen Lagerplätzen große Bereiche mit rotem Ocker gefärbt gefunden, so in Gargarino am Don , wie auch in Gönnersdorf bei Neuwied am Rhein. Dies lässt auf eine intensive Nutzung der Farben zum Überziehen von Alltags- und Kultgegenständen, aber auch zur Körperbemalung schließen. Vermutlich sagt die Menge und Dicke des Ockers etwas über den Zeitraum aus, in dem der Platz immer wieder aufgesucht wurde.
Ebenfalls wurden ganze Ockerstücke an Siedlungsplätzen gefunden. Teilweise weisen sie Reibspuren auf und legen so eine Verwendung als Pigment dar. Die ältesten Funde sind ca. 500.000 Jahre alt. Warum unsere Vorfahren das farbige Gestein sammelten, darüber können wir nur spekulieren. Die Tatsache jedoch, dass sie es sammelten, zeigt uns, dass es für sie Bedeutung besaß.
Als die Menschen sesshaft wurden, begannen sie, ihre Bauten außen und innen mit Malereien zu schmücken und auch ihre Gebrauchskeramik mit Bildern und Ornamenten zu verzieren.
Immer wieder wurden gefärbte Muscheln und andere Arten von Anhängern gefunden. Die Forschung unterscheidet hier deutlich zwischen alltäglichen Gegenständen, zu denen sie z. B. Schmuck und Werkzeuge zählt, und solchen, denen kultische Bedeutung zugeschrieben wird. Dies entspricht unserer heutigen Weltsicht, in der sehr scharf zwischen Alltags- und weltlichen Dingen einerseits und dem Religiösen andererseits unterschieden wird.
Mindestens ebenso wahrscheinlich wie diese Übertragung unserer Kultur ist jedoch die Annahme, dass unsere Vorfahren Kult und Alltag nicht trennten. Schmuck, gefärbte und bemalte Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände und später auch bemalte Behausungen sprechen dafür.
Ocker gehört zu den Erdfarben. Roter Ocker ist ein Gemisch aus Eisen(III)-oxid oder Hämatit , Tonmineralen, Quarz und Kalk. Der färbende Bestandteil des gelben Ockers Ist Eisen(III)-oxihydrat, weitere Farben der Erde sind Kreide und Kohle. Roter Ocker lässt sich auch durch Brennen von gelbem Ocker gewinnen. Als Farbe verwendet ist Ocker in hohem Maße lichtecht und je nach Bindemittel wasserbeständig.
Wer einmal Ockersteinbrüche, z. B. die bei Rustrel, Provence, besucht hat, wird den gewaltigen Farbeindruck wohl nie vergessen.
Vermutet wird, das Ocker und andere Erd- und Naturfarben schon früh zur rituellen Körperbemalung verwendet wurden, ähnlich wie bei heutigen Naturvölkern z. B. in Afrika und Australien. Dokumentiert ist dies für die Jungsteinzeit. Eine deutlich frühere Verwendung kann angenommen werden, Gewissheit haben wir darüber nicht.
Möglicherweise wurde roter Ocker ab der mittleren Altsteinzeit (Mittelpaläolithikum) aufgrund seiner Farbe in Zusammenhang mit Blut gesehen. Aus heutiger Sicht liegt das nicht nur wegen der Farbe nahe, sondern auch wegen der chemischen Zusammensetzung. Eisenoxide färben Ocker, eisenhaltige Hämatide das Hämoglobin des Bluts.
Rot war aber vor allem die Farbe der Frau, denn sie blutete ohne Verletzung und ihre Blutung stand in Verbindung mit ihrer Schwangerschaft und der Geburt ihrer Kinder. Durch sie kam das Leben der Menschen in die Welt, durch sie war Wiedergeburt möglich. Unsere Sprache berichtet heute noch von dieser Vorstellung. "Enkel" bedeutet soviel wie "kleiner Ahn" und galt bei vielen Völkern als der wiedergeborene Großvater.
Rot war die sterbende und geborene Sonne, rot der Himmel der sie gebar.
In der Antike und im frühen Christentum geht die Verwendung von Ocker und anderen Erdfarben allgemein zurück. Statt Körperbemalung steht jetzt die Farbe der Kleidung im Vordergrund. Diese lässt sich mit Erdfarben nicht färben und so nimmt die Verwendung Farben auf pflanzlicher oder tierischer Basis deutlich zu. Für Rot stehen hier Krapprot und Karminrot zur Verfügung und natürlich das wertvolle Purpur, gewonnen aus der Purpurschnecke.
Gleichzeitig dokumentiert dieser Wandel aber auch den immer wichtiger werdenden Standesunterschied der Menschen. Purpur konnten sich nur wenige leisten. So wurde die Magie der Farbe Rot, Lebenskraft und Lebensfreude, zur Zementierung hierarchischer Ungleichheitssysteme eingesetzt.
Für Fresken und Wandmalereien wurden allerdings weiterhin Erdfarben verwendet. Das gilt für alle antiken Völker einschließlich der Malereien in den römischen Katakomben in vor- und christlicher Zeit. Auch im Mittelalter und der Renaissance fand Ocker als Grundstoff und Farbpigment weiterhin Verwendung. Seine Universalität hatte er allerdings schon lange verloren und auch der sinnliche Zugang dürfte weitestgehend verschwunden gewesen sein.
Zwar wurden viele Werke nach wie vor zu kultischen Zwecken angefertigt, jedoch stand zunehmend der künstlerische und auch transzendente Aspekt im Vordergrund. Die sinnliche Wahrnehmung war nun nicht mehr erwünscht.
Auch berühmte Maler wie Pablo Picasso konnten sich der Anziehungskraft des Ockers nicht entziehen. Die Ocker-Bilder, die im spanischen Dorf Gósol entstanden sind, werden mit dem Archetyp des Weiblichen in Verbindung gebracht.
Joseph Beuys verwendete Ocker für Arbeiten, die "Themen wie zum Beispiel Prinzipien des Weiblichen, Fruchtbarkeit, Geburt sowie Tod und Wiedergeburt" aufgreifen und "die mit dem rituellen Gebrauch des Ocker verknüpft sind."
Die Farbe Rot hatte für unsere steinzeitlichen Vorfahren eine herausragende rituelle Bedeutung. Wie eingangs schon erwähnt ist Rot auch für uns Heutige eine sehr wichtige Farbe, und in jedem Fall auch eine Farbe, die sofort wahrgenommen wird.
Farbmagie betreiben wir heute, wenn wir für ein Kerzenritual eine rote Kerze auswählen. Aber auch beim Rotfärben der Lippen und der Wangen ist Farbmagie im Spiel. Es geht um den Ausdruck von Lebendigkeit und erotischer Kraft. Im Übrigen ist diese Art der Farbmagie das Metier der Frauen. Schon in der Steinzeit wurden die Farbe Rot und die damit assoziierten Kräfte mit dem Weiblichen in Verbindung gebracht. Daran hat sich bis heute offensichtlich nicht viel geändert. So ist es nur einer Frau, wie z. B. der Bundeskanzlerin Angela Merkel möglich, bei einem Gipfeltreffen der Staatschefs ein knallrotes Jackett zu tragen, wie im März diesen Jahres in London geschehen. Für einen Mann in gleicher Position ist dies bis auf weiteres undenkbar, will er sich nicht völlig diskreditieren.
Farbtherapie ist eine weitere Form der Farbmagie, Farb- und Stilberatung und auch die Maltherapie zählen ebenfalls dazu.
Kraftvoll ist die Körperbemalung, wobei hier natürlich nicht nur Rot eine Rolle spielt. Heute wird dafür in der Regel professionelle Körperschminke verwendet, aber die ältesten verwendeten Farben waren Erdfarben. Diese haben den Nachteil, dass sie auf dem Körper nicht sehr haltbar sind und nach dem Trocknen leicht abbröckeln und stauben. Sie vermitteln aber das sinnliche Gefühl einer Beschichtung auf der Haut. Sicherlich wurden auch schon früh Pflanzenfarben verwendet. Im Gegensatz zu Erdfarben, die auch für uns westliche Menschen angerührt mit Körperlotion völlig hautverträglich sind, ist dies bei Pflanzenfarben oft problematisch.
Sicherlich ist Ocker nicht nötig, um mit der Magie der Farbe Rot zu leben. Der Umgang mit dieser Erdfarbe weitet jedoch die Symbolik auf archaische Bezüge und lädt zum sinnlichen Experimentieren ein.
Körperbemalung mit rotem Ocker im Selbstversuch…
Neugierig geworden habe ich mir über den ökologischen Baustoffhandel fünf Erdfarben besorgt: roten Ocker, gelben Ocker, weiß, schwarz und grün, die beiden letzteren erst mal aus Interesse. Alle Farben sind tauglich für Kosmetik und können einfach in Hautcreme oder Körperlotion gerührt werden. Am nächsten freien Tag geht es los: Im Hintergrund läuft Musik, eine aromatische Räucherung erfüllt den Raum. In fünf Gefäße kommt Körperlotion, dann, teelöffelweise, die jeweilige Farbe. Natürlich beginne ich mit Rot. Für jede Farbe probiere ich auf dem Unterarm aus, ob die Intensität der Mischung stimmt. Ich benötige jeweils höchstens fünf Teelöffel Pigmente. Das Zeug ist echt intensiv. Im Raum habe ich einen Spiegel aufgestellt und beginne den Auftrag nun mit Rot. Zuerst das Gesicht. Erstaunlich, wie leicht sich die Farbe verteilen lässt, erstaunlich auch die Intensität. Nach dem Gesicht geht es schneller, doch dauert es, bis der ganze Körper rot ist. Ich trage nicht nur Farbe auf – der ganze Körper wird massiert und bekommt intensive Aufmerksamkeit. Bei den Füßen angelangt habe ich das Gefühl es sind Feuerfüße! Ich blicke in den Spiegel und erblicke mich(?) in einem warmen, roten Erdton. Es fühlt sich gut an, ich fühle mich wohl in meiner neuen Haut. Ich möchte noch etwas mehr Ausdruck haben und greife zu gelbem Ocker. Die Muster ergeben sich ganz von allein…
Zum Abschluss fehlen mir noch ein paar weiße Akzente. Ich sehe mich im Spiegel und fühle mich wohl. Bewege mich zur Musik, fühle mich sehr lebendig… Natürlich ist diese Bemalung nicht so haltbar, wie Körperschminke, aber aus meiner Sicht eine echte Erfahrung. Wer dazu weitere Informationen möchte, kann sich gerne an mich wenden.
Erdfarben lassen sich nicht ganz so fein malen wie Körperschminke, dafür sieht man ihnen aber ihren erdigen Ursprung an.
Quellen:
Richard Fester, Marie E. P. König, Doris F. Jonas, A. David Jonas
Weib und Macht – Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau
Anke Rammé Firlefanz, Körpermalerie & ritual
Reinhard Lohmiller, Ocker – Monografie einer Farbe, Inauguraldissertation
Wikipedia.de
Duden, Das Herkunftswörterbuch
Doris Wolf, Was war vor den Pharaonen
Nana Beginaset
http://www.rufdergoettin.de
Granatapfel - Punica granatum
Heimat dieses kleinen Baumes ist das westliche und mittlere Asien (Pakistan, Türkei, Armenien, Georgien u.s.w.). Außerdem wird er in China, Indien sowie diversen subtropischen Ländern und im Mittelmeerraum kultiviert. Dann hält man ihn aus praktischen Gründen eher als Strauch, um die Ernte zu erleichtern. Der Granatapfelbaum wird bis zu 5 m hoch und kann mehrere hundert Jahre alt werden. Die Rinde ist rotbraun bis grau und und wird als Heilmittel genutzt.
Den Namen "Granatapfel" hat er von seinen vielen Samen (lat. Granatus = kernreich) und seiner apfelartigen Form. Im Frühjahr blüht der Granatapfelbaum mit vielen wunderschönen, orangefarbenen bis roten, glockenförmigen Blüten. Im Hochsommer entwickeln sich die anfänglich grünen, später aber orangeroten bis dunkelroten Früchte, die bis zu 13 cm Durchmesser haben können. An ihrer Unterseite zeigen sich harte blütenblätterähnliche Spitzen der Fruchtschale. Im Inneren ist die Frucht in Segmente aufgeteilt in denen jeweils eine Vielzahl an tiefroten Fruchtsamen sitzen. Diese sind umhüllt von einer fruchsafthaltigen durchsichtigen Hülle, die bei Druck leicht zerplatzt. Insgesamt enthält ein Granatapfel bis zu 400 einzelne Samen. Aufgrund seines Aussehens wurde und wird der Granatapfel als Aphrodisiakum eingesetzt. Die Form ähnelt der Gebärmutter, die vielen Samen im Inneren sollen den Hoden mit ihren Samenanlagen oder aber den Eierstöcken ähneln.
Inhaltsstoffe des Fruchtfleisches sind: Proteine, Fett, Kohlenhydrate, die Mineralien Kalzium, Kalium, Eisen und Phosphor, Vitamin C, Thiamin, Riboflavin und Niacin.
In der Rinde finden sich: Alkaloide (Pyridin, Piperidin und Isopelletierin), Gerbstoffe, Gallussäure, Betulinsäure und anderes. Dem Alkaloid Isopelletierin wird eine Steigerung der Reflexaktivität nachgesagt, Pyridin ist eine sicheres Heilmittel gegen Bandwürmer.
Deshalb wurde die Rinde des Granatapfelbaumes lange Zeit als Bandwurmheilmittel eingesetzt.
Heute erfreuen sich besonders die Kerne und der Saft der Frucht des Granatapfelbaumes großer Beliebtheit, sowohl als Nahrungsmittel, als auch als Heilmittel. Der rote Sirup "Grenadine" wird aus den Kernen des Granatapfels hergestellt und zum mixen diverser Cocktails, wie zum Beispiel "Tequila Sunrise", verwendet.
Sehr beliebt sind neuerdings Kapseln mit dem Extrakt aus den Granatapfelkernen. Dabei sind es besonders die Polyphenole, die reichlich in den Kernen vorhanden sind, denen man eine hohe Wirksamkeit bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs nachsagt. Tatsächlich gibt es Studien, die diese Wirksamkeit nahelegen, es sind aber noch keine ausreichenden Ergebnisse da, um einen sicheren Nachweis liefern zu können.
Margret Madejsky und Fr. Dr. Michaela Döll schreiben in ihren Büchern (Madejski: "Alchemilla", Dr. Döll: "Heilfrucht Granatapfel") dass in den Granatapfelkernen auch östrogenähnliche Inhaltsstoffe gefunden worden wären. Sie empfehlen ihn bei Östrogenmangel, in den Wechseljahren und als "Elixier für "ewige Jugend".
Die Frucht und die Fruchtschale sind beliebter Ausgangsstoff für Farbbeizen. Es können Gelbtöne aber auch ein tiefes Schwarz damit hergestellt werden. Im Orient und in Indien werden heute noch Teppiche und Wolle damit gefärbt.
In England hingegen, wo der Baum seit dem 16. Jahrhundert gezüchtet wird, nutzte man den Extrakt als Tinte.
Das älteste Zeugnis der religiösen Verwendung des Granatapfels stammt aus dem 4. Jahrtausend v.u.Z., aus einem Tempel der Ishtar/Innana. Auf einer Vase sind diverse Granatapfelbäume dargestellt. Die Darstellung zeigt ein Opferfest der Göttin, bei dem ihr Feldfrüchte und Brandopfer dargebracht werden. Auch in späteren Darstellungen wird Innana (oder Astarte) mit Granatäpfeln gezeigt.
In der Mythologie vieler Völker taucht der Granatapfel auf. Er ist der "Liebesapfel" der Aphrodite. Auf Aphrodites Insel Zypern wurde der Baum deshalb schon früh kultiviert und in den Liebeshainen ihrer Tempel als Nutz- und Zierpflanze angebaut. Christian Rätsch vermutet, dass Blüte und Frucht als Symbol für die Vereinigung von männlichem und weiblichem Prinzip verstanden wurden: die sich öffnende Knospe ähnelt einem Penis, die Frucht der Gebärmutter einer Frau. So gibt es Darstellungen der Liebesgöttin mit der Frucht in der einen und der Blüte in der anderen Hand. Sicher galt der Granatapfel aus diesem Grund als Aphrodisiakum für Mann und Frau.
Es ist außerdem anzunehmen das der Apfel, den Aphrodite dem Helena-Räuber Paris gibt, ein Granatapfel gewesen ist. Somit hat wohl ein Granatapfel den Trojanischen Krieg mitverursacht.
Der Bildhauer Polyktet hatte der Herastatue von Argos einen Granatapfel in die Hand modeliert. Zeus soll ihn Hera als Brautsymbol gereicht haben, ein Zeichen der Fruchtbarkeit, aber auch der sinnlichen Liebe (siehe Aphrodite).
In Rom schmückte man die Statuen der Göttin "Spes" (=Hoffnung) mit einem Kranz aus Granatäpfeln und gab den Statuen auch gerne eine Frucht in die Hand. Wenn sich junge Frauen dann ebenso herrichteten, war dies ein deutliches Zeichen, dass sie sich eine Schwangerschaft wünschten, also in Hoffnung auf ein Kind lebten und diese Hoffnung der Göttin anvertrauen wollten.
Auch in der Bibel findet der Granatapfel im Zusammenhang mit einer schönen Frau Erwähnung. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Evas Frucht vom "Baum der Erkenntnis" ein Granatapfel gewesen ist.
Die ägyptische Mutter- und Liebesgöttin Hathor soll einen aus Granatäpfeln bereiteten Wein in ihren Kultfeiern Wert geschätzt haben.
Im Papyrus Turin preist sich der Granatapfelbaum als Pflanze für die Liebenden.
"Meine Kerne gleichen ihren Zähnen,
Meine Frucht ihren Brüsten.
(Ich bin der Beste) des Baumgartens,
Weil ich zu jeder Jahreszeit bleibe.
Die Geliebte und ihr Geliebter
(Wandeln unter) meinen (Zweigen),
Trunken von Wein und Süßwein,
Gesalbt mit Öl und Balsam."
(Zitiert nach Christian Rätsch: Pflanzen der Liebe, S.118)
Der Granatapfel ist aber nicht nur Symbolpflanze der Liebesgöttinnen sondern auch ein Attribut einiger Unterwelts- und Todesgottheiten. Berühmt geworden ist der Granatapfel im Mythos der Persephone und des Hades. Nachdem der Unterweltsgott Hades die jungfräuliche Tochter der Vegetationsgöttin Demeter geraubt hatte, gab er ihr einen Granatapfel zu essen. Persephone kannte den damit verbundenen Trick nicht und aß mehrere Kerne (3-6, je nach Überlieferung). Der Granatapfel galt als Nahrung der Toten (Symbolisch für Blut) und wer einmal in der Unterwelt davon gekostet hatte, konnte nicht mehr in die Welt der Lebenden zurückkehren. Als Demeter durch einen Streik die Rückkehr ihrer Tochter erzwungen hatte, war ihre erste Frage, ob Persephone in der Unterwelt irgendetwas gegessen habe. Persephone gesteht ihr von einem Granatapfel gegessen zu haben und erkennt sofort an der Reaktion der Mutter, dass sie einen Fehler begangen hat. Doch zu spät, Demeter kann zwar in der Verhandlung mit Zeus und Hades eine Reduktion der Verweilzeit Persephones in Hades Reich bewirken, sie aber nicht davor bewahren, 3-6 Monate pro Jahr in der Unterwelt zu verbringen. Die Sage liefert den mythologischen Hintergrund für die Entstehung der Jahreszeiten, da die Erde unfruchtbar ist während Persephone im Hades weilt, in der restlichen Zeit, in der sie bei ihrer Mutter Demeter lebt, gedeiht auch die Vegetation.
Sicherlich bietet der Persephone-Mythos die Grundlage für die Häufigkeit der Verwendung des Granatapfels als Grabbeigabe und Totenopfer. Weil Persephone aus dem Hades zurückkehren durfte, steht der Granatapfel für die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod.
Mit "Tod" verbinden wir den Granatapfel auch dann, wenn wir an "Granaten", die explosiven Waffen, denken. Rund wie die namensgebende Frucht, bringt die Granate Blut und Tod.
Im Kult des griechischen Weingottes Dionysos ist der Saft der Granatapfelkerne symbolisch für das Blut des Gottes. Bei der Zerstückelung des Gottes durch die Titanen, soll aus dem auf die Erde getropften Blut ein Granatapfelbaum entstanden sein. Eine ähnliche Legende gibt es von Agdistis, dem Vater des phrygischen Gottes Attis. Als Hermaphrodit geboren, entmannten ihn die Götter und begruben seine Geschlechtsteile. Aus dem herabgetropften Blut entstand, je nach Sage, ein Granatapfel- oder Mandelbaum.
Zu den Thesmophorien, einem Vegetationsfest der Göttin Demeter, war es den Teilnehmern verboten Granatapfelkerne zu essen. Einige Autoren schreiben dies der oben erwähnten Persephone-Legende zu, andere wiederum dem Umstand, dass der Saft des Granatapfels mit dem Blut des abgeschnittenen Geschlechtsteils des Dionysos/Agdistis assoziiert wurde und somit als "unkeusch" galt. Ich halte letztere Variante für unwahrscheinlich und typisch für die Denkweise des christlichen Autors (Klemens von Alexandria).
Der Granatapfel stand Pate für den Reichsapfel, er ist auch ein Symbol für Macht. Als solches ziert er das Wappen von Granada, sowie das von Spanien. Interessant ist hierbei auch, dass der Halbedelstein "Granat", der seinen Namen dem Granatapfel verdankt, in der Region von Granada abgebaut wird, also auch hier Namensgeber ist.
Das Judentum kennt den Granatapfelbaum als "heiligen Baum". Die Äpfel schmückten in Judäa die Bundeslade, die Thora und das Priestergewand. Sie waren die einzigen Früchte, die ins Allerheiligste getragen werden durften.
Selbst in der christlichen Symbolik hat der Granatapfel seinen Platz. Als Sinnbild der "Mutter Kirche" = der "Ekklesia", der Gemeinschaft aller gläubigen Christen, ist er das Zeichen göttlicher Vorsehung. So gibt es eine Darstellung von Maria und ihrem Kind, in der Jesus ihr einen Granatapfel reicht (Matthias Grünewald 1517/1519). Der Granatapfel macht hier deutlich, dass Maria die "Mutter der Kirche" ist.
Außerdem soll der Granatapfel eine Metapher für das Priesteramt gewesen sein: vielfache, süße Frucht in der harten Schale der Askese... (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Granatapfel)
In China, dem "Reich der Mitte" symbolisiert der Granatapfel sowohl familiäres Glück und Fortpflanzungsfähigkeit, wie auch Ruhm und Macht. Die Frucht steht für Überfluss und eheliches Glück, sie ist beliebt als Hochzeitssymbol. In Opferzeremonien wurde die Frucht nicht verwendet weil sie als "unschicklich" galt; zu stark war sie mit sinnlicher Liebe und Fortpflanzung verbunden.
Natürlich wurde der Granatapfel auch magisch verwendet. Vor allem in der Liebesmagie spielte er eine wichtige Rolle. Scott Cunningham ordnet ihn dem Element Feuer und den Göttinnen Persephone und Ceres zu. Neben dem Einsatz für Fruchtbarkeitsmagie, empfiehlt er ihn auch für Glücks, Wohlstandszauber und zur Weissagung.
So empfiehlt er Frauen, die wissen wollen, wie viele Kinder sie bekommen werden, einen Granatapfel mit voller Wucht auf den Boden zu werfen, die Zahl der herausgesprungenen Samen, soll die Kinderzahl angeben. Den Saft der Granatapfelfrucht empfiehlt er anstelle von Blut als magische Tinte zu verwenden. Die Schale der Frucht, getrocknet und einer Räucherung beigegeben sollt Wohlstand fördern.
Literatur und Links:
Marianne Beuchert: Symbolik der Pflanzen
Christian Rätsch: Heilkräuter der Antike, Pflanzen der Liebe
M. Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen
Scott Cunningham: Enzyklopädie der magischen Kräuter
Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Granatapfel
artemisathene
 
Praktisches
Longdrinks mit dem Granatapfelsirup "Grenadine"
Tequila Sunrise
Dieser Cocktail ist der wohl berühmteste Longdrink der unter Verwendung des Granatapfelsirups "Grenadine" hergestellt wird.
Dazu brauchst du:
 ein Longdrinkglas
 Eiswürfel oder "Crushed ice"
 4 cl weißen Tequila
 2 cl Grenadine
 Orangensaft zum Auffüllen
Zubereitung:
Eis ins Glas füllen, Tequila und Orangensaft dazugeben und mit einander verrühren. Dann erst die 2 cl Grenadine langsam ins Glas laufen lassen. Der Sirup ist schwerer als das Orangensaftgetränk und sinkt deshalb ab. In ihrer Mischzone entsteht ein schönes Orange. Dadurch erhält der "Tequila sunrise" sein charakteristisches Sonnenaufgangsorange.
Alkoholfreier Tequila Sunrise
Dazu brauchst du:
ein Longdrinkglas
Eiswürfel oder "Crushed ice"
1 cl Zitronensaft
2 cl Grapefruitsaft
15 cl Orangensaft
1 EL Grenadine
Zubereitung:
Eis in das Longdrinkglas füllen, die Fruchtsäfte dazugeben und vermischen. Dann den Grenadine-Sirup vorsichtig einfüllen, damit er sich nicht gleich vermischt, sondern den schönen orangefarbene Farbverlauf ergibt.
Kinder Fanta-Sunrise
Dazu brauchst du:
 ein Longdrinkglas
 Eiswürfel oder "Crashed ice"
 15 cl Fanta (oder eine andere Orangenlimo)
 1 EL Grenadine
Zubereitung:
Eis in ein Longdrinkglas geben, Orangenlimo aufgießen und dann den EL Grenadine langsam darüberlaufenlassen, damit sich die Flüssigkeiten nur langsam mischen. Fertig! Der Hit für jede Kinderparty!
Blutrache
Dazu brauchst du:
ein Longdrinkglas
Eiswürfel oder "Crashed ice"
3 cl Grenadine
4 cl Orangensaft
8 cl Kirschsaft
1 cl Zitronensaft
Zubereitung:
Eis mit den Fruchtsäften und dem Sirup in einen Shaker geben, shaken und dann in das Longdrinkglas füllen.
Dieser Drink ist auch ein herrlicher Party-Gag für Kinder-Halloween-Partys!
artemisathene
BrEbAZi - Brombeer-Eberesche-Apfel-Zitronenmelisse-Marmelade
BrEbAZi verwöhnt mit dem herben Aroma der Eberesche, sanft gemildert durch die Äpfel. Die frische Zitronenmelisse und die rote, süße Brombeere runden Geschmack und Aussehen ab, welches an Campari erinnert.
1500 g Äpfel
300 g Ebereschenbeeren (Vogelbeeren)
200 g Brombeeren
ca. 15 Stengel Zitronenmelisse
1 Limette (Saft)
1000 g Gelierzucker 1:1
Die Äpfel schälen, entkernen und in Stücke schneiden. Mit dem Limettensaft und dem Zucker mischen und ca. 2 Stunden durchziehen lassen.
Die Ebereschenbeerenund die Zitronenmelisse ca. 20 min köcheln bis sie weich werden. Die Brombeeren dazu geben und 5 min weiterköcheln. Die Mischung etwas abkühlen lassen, dann durch ein Sieb passieren und den Saft auffangen.
Äpfel und Beerensaft mischen und aufkochen. Nach 2 Minuten mit dem Pürierstab zerkleinern und weitere 2 Minuten kochen, dann abfüllen.
Rotes Pesto
 1 Glas getrocknete Tomaten in Öl
 50 g Pinienkerne, Walnüsse oder Mandeln
 2 El Paprikapaste oder Tomatemark
 75 g Parmigiano-Reggiano, gerieben
 ca. 150 ml gutes Olivenöl
 Petersilie
 Salz
 Chilipulver und/oder Pfeffer
Die Tomaten abtropfen lassen und dabei das Öl auffangen. Das Öl mit Olivenöl auf 200 ml auffüllen.
Die Tomaten im Mixer zusammen mit den Nüssen oder den Mandeln pürieren, das Öl langsam zugeben. Zum Schluss den geriebenen Hartkäse und die sehr fein gehackte Petersilie unterrühren (auf keinen Fall mitpürieren!). Mit Salz, Chilipulver und Pfeffer abschmecken.
Hält sich im Kühlschrank drei bis vier Wochen.
Lilia
 
LeserInnenbriefe und Zuschriften:
Birkenmütterchen und Waldväterchen
Die Trommel ruft.
Sie ruft mein Herz.
Sie ruft mich.
Es ist das uralte Lied.
Hinaus in den Wald ruft die Trommel mich.
Bei meinem magischen Namen, den die Götter kennen.
Meine Schwestern und ich haben uns von der warmen Ofenbank des hölzernen Hauses erhoben, in dem wir wohnen und uns angekleidet.
Mit den heiligen Gewändern haben wir uns bekleidet, den Gewändern aus seidigem Pelz, zottiger Schafwolle und weißen Vogelfedern der Kraniche.
Wir haben uns Schuhe aus feinstem und frisch duftendem Leder an die Füße gesteckt und auf unsere Häupter die goldenen Hüte aus Stroh und die Kapuzen aus schwarzglänzendem Fell gesetzt und uns mit Zedernöl gesalbt.
Der Schmuck aus Elfenbein, Knochen und bunten Perlen lag wie frische Blüten um unsere Hälse und unser Haar war in Zöpfen geflochten, die wir mit Fett einrieben, um sie schimmernd zu machen.
Lachsbein, Bärenbein, Hirschbein und altes Elfenbein – so war unser heiliger Schmuck, den uns die Tiere schenkten.
Goldenes, in runde Formen gebanntes Harz lag an unseren Händen.
Die Stäbe der Kraft nahmen wir zwischen unsere Schenkel.
Die Stäbe, die uns in die höchsten Himmel trugen, wir riefen ihre Macht.
Geschnitzt mit Pferdekopf und Pferdehuf.
Mit Pferdeschweifhaar gebunden, das schimmerte, wie Seide im Sonnenlicht.
Hoch loderte das heilige Feuer im Ofen unseres Hauses aus waldigem Baumholz.
Und wir stoben hinaus wie der Sturmwind – jede auf ihrem Stab, eine der anderen nachjagend.
Wir ließen das rotglühende Feuer und die Behaglichkeit des Hauses hinter uns und flogen hinaus in den sonnigen Tag, der uns mit Licht und einer sanften Brise Sommerwind begrüßte.
Die Wiesen waren voll sprießendem Grün, voller purpurner Blumen voller Nektar und süßem Duft, auf den heißen Steinen, heiß von Sonnenroter Glut, lagen schillernde Schlangen eingekringelt und träumten den Traum des warmen Lichts.
Wir flogen auf den nahen, dichten Wald zu, in die schattigen Tiefen des Gehölzes hinein.
Sei gegrüßt heiliger Wald!
Sei gegrüßt du alter Baum in seiner Mitte!
In deinem Schatten wollen wir die Sanftheit und Kühle deiner Umarmung spüren, uns an deinen Früchten laben und aus deinen klaren Bergbächen trinken. Wir suchen Kraft in dir und werden vom Ruf der Trommel geführt.
Die Trommel ruft.
Sie ruft mein Herz.
Sie ruft mich.
Es ist das uralte Lied.
Gegrüßt seist du Sonnenmütterchen. Gegrüßt auch du, Mondväterchen.
Wir fliegen auf deinen Strahlen, o Sonne aus goldenem Lichtglanz.
Unsere Pferde bringen uns die Lust und die heilige Liebe zu uns selbst.
Grün, grün, grün: so empfängt uns der Wald in seinen Tiefen.
Mit seinem Dunkel, seinem Lichtschein auf grünen Blättern, mit seinen alten Bäumen –
Und mit seinen weißhäutigen Birken.
Ich werde gerufen, werde geführt, werde angezogen von der waldigen Wildheit meines Herzens, werde getragen von der Macht meines erwachten und suchenden Geistes.
Wer ruft mich?
Ruft mich der Trommelklang aus dem Dickicht?
Wer ruft mich bei meinem magischen namen?
Ich sehe nur die Bäume mit ihren glatten, säulenartigen Stämmen.
Überall wohin ich fliege:
Birken, Birken, Birken, Birken:
Und nichts als die weißhäutigen Birken.
O Sonnenmütterchen, du glitzerst auf ihrer Rinde wie Seide.
Mütterchen Birke, dein weißes Gewand verwirrt meine Sinne bis zur Entzückung.
Birken, Birken Birken!
Wo bin ich und wo ist der Anfang dieser Reise?
Der Wald fliegt mit mir oder fliege ich durch den Wald?
Die Sonnenmutter reist mit mir oder reise ich unter den Kreisen, die ihre Bahn am tiefblauen Himmel zieht?
Waldväterchen, du bist es, der mich umfängt, mich in sich trägt.
Waldväterchen, führe mich zu meinem Rufer, der mein Herz so bewegt.
Sonnenmutter, du mit deinen grünen Strahlen im Waldgrünen Gewand aus frischen Blättern und Zweigen: Führe auch du mich durch deine Wärme in meine Tiefe hinein, wo der Rufer so eindringlich trommelt.
Rufe mich. Rufe mich zu mir selbst zurück, denn ich habe mich in dem Birkenwald verirrt, der mich so entzückt hat.
Lass mich fliegen, lass mich reiten, auf wolkengleichen Schwingen durch den tiefblauen Himmel. Lass mich die Mitte des Waldes finden, wo du, Waldväterchen, in einem Holzhäuschen wohnst.
Silberkringel über dem Strohdach deiner Hütte, spiralförmig steigt der Rauch aus deinem Ofen empor, um Sonnenmütterchen zu grüßen.
Oh wie wunderbar duftet das Feuerholz aus deinem Kamin, Waldväterchen!
So satt und feurig, dass ich mich sofort in deine Hütte begebe, um an deinem Feuer Kraft zu schöpfen und Wärme zu finden.
Du sitzt am Ofen und fütterst es mit Holz, während es immer gieriger danach hungert und rotglühend aufflammt.
Oh starker Bärentöter und Honigsammler!
Dein Feuer wärmt mich, die ich in heiliger Entzückung zwischen den Birkenstämmen umhergeflogen bin und dich suchte, dem Ruf der Trommel folgend.
Süß schmeckt dein Honig aus dem irdenen Krug auf dem Kaminsims;
Stark ist die herbe Würze des Fleisches, das von der hungrigen Glut deines Ofens gebraten wird und so köstlich schmeckt.
Ich kam vom Haus hinter den grünen Wiesen, um hier an deiner roten Glut Kraft zu schöpfen, mich an deinem wilden Honig und deinem zarten Fleisch zu laben, mir von deinem klaren Trunk zu holen, der ein Lebenswasser für mein Herz ist.
Die Trommel rief.
Sie rief mich.
Sie rief mein Herz.
Du, Waldväterchen, riefst das Birkenmütterchen in deine Waldhütte, die so verlockend nach Feuerholz, Honig und Harz duftet.
Goldenes Stroh ist auf deinem Lager und lockt mit seinem würzigen Parfüm die Liebe aus dem Ofenwinkel hervor, die dort sanft schlummert, wie eine Katze nach einem erfolgreichen Fang einer Maus.
Doch sanft ist die Liebe des Waldväterchens, der seine magischen Lieder in der Holzhütte tief im Wald verborgen singt und der mich gerufen hat: mich, das Birkenmütterchen, die ich durch den Birkenwald irrte in heiliger Verzückung.
Wildheit liegt in deinem Wesen, wie auch in meinem Geist.
Ich bin emporgestiegen in die höchsten Himmel, mit dem Pferdestab, auf dem ich ritt.
Ich bin vom Sonnenmütterchen hierher geführt worden, durch ihre grünen Strahlen im Waldgrün. Sanft klang der Ruf der Trommel, der mein Weggeleit war.
Ich wurde zu dir geführt, Waldväterchen, damit du mir jetzt auf der Knochenflöte spielst, die du aus dem Bein des Bären geschnitzt hast, den du mit der Stärke deines Armes erlegtest.
Sanft und irden klingen die Töne jetzt im tiefen Wald.
Zur Ruhe finde ich in meinem Geist, der so aufgewühlt war.
Zur Kraft finde ich in deiner Umarmung des hungrigen Feuers.
Zur Liebe finde ich in meinem Herzen, das nun wie die Trommel ruft.
Ascherah
 
Aktuelles:
Fund einer "Venus-Figurine" in der Schwäbischen Alp
In einer Höhle in der Schwäbischen Alp, die als "Hohler Fels" bezeichnet wird, ist eine "Venus-Figurine" aus der Steinzeit gefunden worden. Ihr Alter wird auf 35.00 bis 40.000 Jahre geschätzt. Damit ist die kleine Frauenfigur weltweit die älteste bisher bekannte "Venus-Figur". Die Figur ist ca. 6 cm hoch, wiegt 33 Gramm und wurde aus Mammut-Elfenbein geschnitzt. Sie besitzt besonders ausgeprägte Geschlechtsmerkmale, sehr große Brüste und eine deutlich herausgearbeitete, übergroß dargestellte Vulva.
Die kleine Figur wurde in sechs Einzelteilen gefunden und anschließend von den Forschern um den Tübinger Urgeschichtler Nicholas Conard wieder zusammengesetzt. Lediglich der linke Arm und ein Teil der Schulter fehlen. Einen Kopf hatte die Figur wohl von Anfang an nicht, da sich anstelle des Kopfes eine Öse befindet, mit Hilfe derer die Figur als Anhänger getragen werden konnte. Diverse Linien auf dem Körper der Figurine deuten eine Art Kleid an.
In der Höhle in der Schwäbischen Alp wurden bereits einige spektakuläre Funde aus der Steinzeit gemacht. So stammen eine Mammutfigur und die älteste bekannte Flöte aus der selben Höhle.
Auch wenn die Forscher bisher keine Vermutungen über die Bedeutung der Fundstücke machen, so wird doch immer klarer, dass diese Höhle im Kult der Steinzeitbevölkerung eine herausragende Rolle spielte. Vor meinen Augen tauchen Bilder auf von Riten, die von Musik begleitet wurden und einer Fruchtbarkeitsgöttin gewidmet waren. In der Höhle, dem Schoß von Mutter Erde, verehrte man ganz offensichtlich die Urgöttin der Menschheit.
Link: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,624618,00.html
artemisathene
Aufgelesen - Buchrezension
Gertrud Hirschi: Mudras für Körper, Geist und Seele
Auf 68 Karten stellt Gertrud Hirschi alte und neue Mudras vor. Diese Handhaltungen kommen aus dem östlichen Kulturkreisen und werden dort seit Jahrhunderten zur Unterstützung in Gebet, Meditation und Ritualen eingesetzt. Durch die Ausführung einer Handhaltung werden die Reflexzonen und Meridiane angesprochen, und das kann Linderung oder gar Heilung bei vielen Beschwerden bringen.
Meine eigenen Erfahrungen mit Mudras sind sehr positiv; allerdings hat mich das Nachschlagen in den Büchern immer gestört.
Durch die Karten kann ich durchblättern und etwas Schönes oder Passendes aussuchen. Oder mich einfach überraschen lassen, indem ich eine Karte ziehe. Diese Vorgehensweise gefällt mir sehr gut. Ich brauche auch nicht viel umständlichen Text zu lesen, sondern bin mit einigen Worten gut im Thema.
Die Karten habe auf der einen Seite ein Bild des Mudras und ein Schlüsselwort. Die Farben sind kräftig und die Zeichnungen der Hände klar und gut verständlich.
Auf der Rückseite wird das Mudra noch einmal erläutert und beschrieben. Dazu gibt es Anregungen, um die Wirkung des Mudras mit positiven Vorstellungen und Affirmationen zu verstärken.
Ein kleines Heftchen mit etwas mehr als 40 Seiten ist den Karten beigegeben. Hier werden verschiedene Bereiche, die etwa Mudra-Meditation oder positives Denken kurz angerissen. Wer mehr wissen möchte, muss anderswo weiterlesen: Gertrud Hirschi hat zwei andere Bücher zum Thema Mudras geschrieben.
Für den Start mit den Mudras sind die Karten gut geeignet, ebenso wie für jemanden, der sich schon lange mit dem Thema beschäftigt. Das liegt an ihrer übersichtlichen und leicht fassbaren Gestaltung.
Mehr als diese Mudra Karten braucht man nicht!
Gertrud Hirschi: Mudras für Körper, Geist und Seele (Anleitungsbuch und 68 Übungskarten)
Erschienen beim Königsfurt-Urania Verlag, ISBN 978-3-86826-108-0 für 19,90 €
Constanze Steinfeldt
Der Schlangengesang – Göttinnenkalender
Es existieren schon tausende Kalender für Festtage der Göttin in ihren vielen Aspekten. In unserem Kalender bemühen wir uns nur Daten aufzunehmen, die historisch belegt sind. Das ist nicht so einfach. Es gibt wie gesagt viele Websites und Bücher die Termine verbreiten, aber deren Quellen sind oft zweifelhaft oder überhaupt nicht genannt. Das Auffinden und Auswerten historischer Quellen allerdings ist fast eine Lebensaufgabe.
Deshalb haben wir in unseren Kalender neben den Daten und Bezeichnungen eines Festes auch die Quelle der Daten eingetragen. Sollte jemand einen Fehler entdecken oder noch ein Fest mit einer gesicherten Quelle hinzufügen wollen, so ist sie/er herzlich dazu eingeladen.
artemisathene
 
Feiertage im Mai
Dieser Mai wird bestimmt von den antiken Mondmonaten Thargelion und Skirophorion. Thargelia, das Geburtstagsfest der Artemis und des Apollon, gab dem Monat Thargelion seinen Namen. Skirophorion erhielt seinen Namen von dem der Göttin Demeter geweihten Fest am 12. Tag des Monats.
Die Herkunft des römischen Monatsnamens Mai ist nicht restlos geklärt. Ovid gibt in seinen "Fasti" 3 Möglichkeiten für die Herkunft an: 1. von Maiestas = die Hoheit, 2. von maiores = die Älteren (bezogen auf die Senatsmitglieder) oder von Maia (Göttin, eine der Pleiaden).
In der germanischen Welt hieß der Mai "Wonnemond", von "winne" = Weide. Es war die Zeit in der die Hirten Weiden für ihre Tiere suchten.
15. Mai: Steinbock, abnehmender Mond:
Fest der griechischen Göttin Maia in Rom. Maia ist Fruchtbarkeitsgöttin,
Erdgöttin und Herrin der Schätze. (Text: schlangengesang 2/04)
Quellen: (4),
19./20. Mai = 25.Tag des Mondmonats Thargelion,
Plynteria: Fest in Athen zu Ehren der Athena Polias, der Schutzgöttin der
Stadt. (schlangengesang 3/04)
Quellen: (5),
23. Mai: Stier, abnehmender Mond:
Rosalia: römisches Fest zu Ehren der Venus, deren heilige Blume die Rose
war. (siehe schlangengesang (3/04)
Quellen: (4), http://www.cronenburg.net/roses.htm
25. Mai: Zwillinge, zunehmender Mond:
Tempelgründungstag der Göttin Fortuna Publica in Rom.
Quelle: (1)
27./28. Mai = 4. Tag des Mondmonates Skirophorio,
Arrephoria: Fest zu Ehren der Göttin Athene in Athen, Wahl der neuen
Priesterinnen
Quellen: (5), (6), (7)
31.Mai Jungfrau, zunehmender Mond: Holdatag. Der 50. Tag nach Ostara (Ostern) war der Tag der germanischen Göttin Holda. Heutzutage feiern die Christen das Pfingstfest zu diesem Termin. Auf Grund der Verbindung von Holle/Holda mit dem Brunnen als Symbol für den weiblichen Schoß der Gebärenden, wurden an diesem Tag Quellen und Brunnen besucht und geschmückt.
Quelle: Gardenstone: Germanischer Götterglaube
Ende Mai: Ambarvalia: Fest zu Ehren der römischen Göttin Ceres, mit Feldumgängen und Opfern, um die Äcker fruchtbar zu machen und Schaden von ihnen fernzuhalten.
Quellen: http://www.geocities.com/margali99maincom/TempleofCeres.html
Ende Mai: Fest der ägyptischen Göttin Nut in Nilpferdgestalt im Chonstempel in Theben. Sie wurde als Mutter aller Götter verehrt.
Quelle: http://www.land-der-pharaonen.de/Wissenschaften/body_wissenschaften.html
Festdaten ohne gesicherte Quelle:
Bei meinen Recherchen für die Feste in diesem Monat stieß ich wieder auf eine Liste an Daten, die sich von mir aber nicht durch sichere Quellen belegen ließen. Wenn jemand eine solche Quelle kennt und zitieren kann wäre ich sehr dankbar: 1. Mai, Rauni (Finnland), 4.5.oder 13.5. Sheila Na Gig (Irland), 21.5. Tefnut (Ägypten), 30.5. Frigg
Quellenangaben:
(1) Ovid Fasti,
(2) der römische Festkalender, Reclam,
(3) www.novaroma.org, (4) www.imperiumromanum.com,
(5) http://www.geocities.com/athens/parthenon/6670/doc/fest.html,
(6) http://www.winterscapes.com/kharis/calendar.htm
 
Feiertage im Juni
Im antiken Griechenland waren unserem Juni die Mondmonate Skirophorion zugeordnet. Skirophorion erhielt seinen Namen von dem der Göttin Demeter gewidmeten Fest am 12. Tag des Monats. Hekatombaion ist benannt nach der Anzahl der Opfertiere (100 Rinder = eine Hekatombe) einer großen, öffentlichen Opferfeier den Göttern geweiht wurden.
Im römischen Reich war dieser Monat der Göttin Juno heilig. Aber auch die Göttin Hebe-Juventus, die personifizierte Jugend, beansprucht den Monat für sich.
Im germanischen Gebiet gab es wohl mehrere Bezeichnungen für diesen Monat; eine davon ist: "Brachet", benannt nach der Zeit des Umbrechens der "Brache" (= der unbestellte Acker). In alter Zeit wurde, nach der ersten Ernte, das Feld für die Wintersaat beackert. Eine weitere Bezeichnung ist Rosenmond, weil nun die Rosen blühen. Es gibt aber auch den Namen "Grasmond", wahrscheinlich weil nun das Gras sehr schnell wächst.
1. Juni: Jungfrau, zunehmender Mond:
Carnaria: Fest der römischen Göttin Carna, Beschützerin der wichtigsten
inneren Organe und ihrer Funktionen. Von Ovid gleichgesetzt mit der Göttin
Carda oder Cardea, der Göttin der Türangeln.
Quellen. (1), (4)
Fest zu Ehren der römischen Wettergötter, der Tempestates.
Quelle: (1),(3)
Festtag der Juno Moneta: Aspekt der Juno als Göttin der Ermahnungen und Ratschläge, aber auch des Geldwesens.
Quellen: (1), (4), (8)
3.Juni: Waage, zunehmender Mond:
Fest der Göttin Bellona im Rom. Als ursprünglich römische Kriegsgöttin verschmolz Bellona später mit der kleinasiatischen Göttin Ma zu Ma-Bellona. (Siehe schlangengesang 11/05)
Quellen: (1), (3), Hans Kloft: Mysterienkult der Antike
E.O. James: der Kult der großen Göttin
5./6. Juni = 12. Tag des griechischen Mondmonates Skirophorion, Skorpion, zunehmender Mond: Skira: Fest der griechischen Frauen zu Ehren der Göttinnen Athene, Demeter, Persephone und der Götter Poseidon, Zeus und Helios. Den Göttern wurden Opfer gebracht, um die Felder der Bauern vor der sengenden Sommerhitze zu bewahren.
Quelle: (5), (6), (7), http://winterscapes.com/kharis/calendar.htm
7. -15. Juni:
Vestalia: Fest der römischen Göttin Vesta. Göttin des Herdfeuers und der Bäckergilde, aber auch des "Heils" der Menschen und des Staates.
Quellen: (1), (2), (4)
8. Juni: Schütze, abnehmender Mond:
Fest der Göttin Mens: römische Göttin der Vernunft, des Verstandes und der Geisteskraft.
Quellen: (1), (3), (4)
11. Juni: Steinbock, abnehmender Mond:
Matralia: Fest der Mater Matuta: römische Göttin der Fruchtbarkeit, der Geburt, der Kindererziehung, aber auch des Sonnenaufgangs und des frühen Tageslichts.
Quellen: (1), (2), (4)
Fest der römischen Göttin Fortuna Redux: die Göttin der glücklichen Heimkehr. Damit ist sowohl die Heimkehr nach einer Reise wie auch besonders nach einem Krieg gemeint. Deshalb wird sie auch oft wie eine Amazone dargestellt: mit Helm und entblößter Brust.
Quellen: (3), (4)
Festtag der Fortuna Virgo: ihre hölzerne Statue im Tempel war vollständig verhüllt.
Quelle: (1)
Tempelgründungstag der römischen Göttin Concordia: Göttin der Eintracht.
Quelle: (1)
13. Juni: Wassermann, abnehmender Mond:
Quinquatrus Minusculae: Fest der Tibicines (der Flötenspieler) zu Ehren der römischen Göttin Minerva. Sie durften an diesem Tag auf dem Capitol speisen. Außerdem war es ein Feiertag der Lehrer und ab dem 4.Jhd n.u.Z. dann auch ein Tag für Schulfeste.
Quellen: (1), (2)
Festtag der Göttin Epona/Rhiannon/Macha: keltische Göttin der Pferde, Reiter und Stallbesitzer. Artikel zu Epona im Schlangengasang 3/04
Quellen: Z.E.Budapest: das magische Jahr
19. Juni: Stier, abnehmender Mond:
Gründungstag des Minervatempels auf dem Aventin in Rom.
Quelle: (1)
21. Juni: Zwillinge, abnehmender Mond:
Fest der keltischen Göttin Aine: Diese Göttin des Feuers, der Quellen und Seen und des Viehs wird zur Sommersonnenwende mit einer Lichterprozession gefeiert.
Quellen: die keltische Zauberin, Edain Mccoy
http://www.werbeka.com/bibliote/500tal/510bcd.htm
Fest der germanischen Sonnengöttin Sunna. Feier mit dem Sonnwendfeuer und dem Brauch das Vieh durch den Rauch des Feuers zu treiben, um damit die Gesunderhaltung der Tiere zu fördern.
Quelle: Gardenstone, Germanischer Götterglaube
Neuheidnisches Fest Litha: Herkunft unbekannt. Wahrscheinliche Theorie: aus dem englischen Sprachraum, denn die angelsächsischen Monatsnamen zeigen eine gewisse Übereinstimmung, da heißt der Juni Ærra Liða = Earlier Litha und der Juli Æfterra Liða = Later Litha. Ein Göttinnenbezug besteht scheinbar nicht.
Quelle: http://www.gadarg.org.uk/essays/e007.htm
23./24. Juni = 1.Hekatombaion, Krebs, zunehmender Mond:
Eiseteria: Fest für die griechische Göttin Athena Boulaia, bzw. Zeus Boulaios, Athena in ihrer Funktion als Ratgeberin.
Quelle: (5)
24. Juni: Krebs, zunehmender Mond:
Fest der Fors Fortuna bzw. Fata. Die römische Schicksalsgöttin war sowohl für Glück als auch Unglück zuständig, hatte aber auch einen starken Muttergöttin-Aspekt.
Quelle: (1), (4)
26./27. Juni = 4.Hekatombaion, Löwe/Jungfrau, zunehmender Mond:
Aphrodisia: Fest der griechischen Göttin Aphrodite Pandemos und Aphrodite Peitho. (siehe Text schlangengesang 4/04)
Quellen: (5), (6)
Festdaten ohne gesicherte Quelle:
Bei meinen Recherchen für die Feste in diesem Monat stieß ich wieder auf eine Liste an Daten, die sich von mir nicht durch sichere Quellen belegen ließen. Wenn jemand eine solche Quelle kennt und zitieren kann, wäre ich sehr dankbar: 4.6. Sheila Na Gig, 14.6. Geburtstag der Musen, 20.6. Ix Chel, Cerridwen
Quellenangaben:
(1) Ovid Fasti,
(2) der römische Festkalender, Reclam,
(3) www.novaroma.org, (4) www.imperiumromanum.com,
(5) http://www.geocities.com/athens/parthenon/6670/doc/fest.html,
(6) http://www.geocities.com/medusa_iseum/library/griechkreis.html
(7) http://www.numachi.com/%7Eccount/hmepa/calendars/696.html
(8) http://home.scarlet.be/mauk.haemers/collegium_religionis/calendar.htm
 
Feiertage im Juli
Nach dem griechischen Mondkalender wäre dieser Juli zwischen den Mondmonaten Hekatombaion und Metageitnion aufgeteilt. Hekatombaion erhielt seinen Namen von einem großen, öffentlichen Opfer bei dem wohl ursprünglich 100 Rinder (eine Hekatombe) geopfert worden waren. Metageitnion wurde benannt nach einem Fest zu Ehren des Apollon als Freund guter Nachbarschaft.
In Rom wurde dieser Monat nach Julius Caesar benannt, ursprünglich aber hieß er Quinctilius, der 5.Monat ab März.
Im germanischen Kulturkreis hieß der Juli Heuert, nach der Heuernte in diesem Monat. Die in diesem Monat gefeierten Feste waren laut Gardenstone´s germanischer Götterglaube: das Fischfest zur Erneuerung der Verbindung zwischen den göttlichen Wesen des Wassers und den Menschen, das Hausfest, bei dem es um die Wiederherstellung der Häuser vor dem kommenden Herbst und Winter ging und das Heufest am letzten Juli-Wochenende.
1. Juli: Waage, zunehmender Mond:
Fest der Göttin Felicitas: römische Personifikation des Glücks. Sie wird auch mit Juno gleichgesetzt. Der 1. Juli war der Einweihungstag des Tempels der Felicitas in Rom.
Quellen: (4), (7)
4./5. Juli = 12.Hekatombaion: Schütze, zunehmender Mond
Kronia: Fest zu Ehren der griechischen Göttin Rhea und des Gottes Kronos. (mehr dazu schlangengesang 4/04)
Quellen: (5), www.winterscapes.com
5. Juli – 7.Juli:
Nonae Caprotinae: Fest der Göttin Juno Caprotina. Auch bekannt als das "Feigen-Fest", es weist auf Junos Rolle als Fruchtbarkeitsgöttin hin. (Siehe schlangengesang 3/04)
Quellen: (2), (7)
7./8. Juli und 8./9. Juli = 15./16. Hekatombaion: Steinbock/Wassermann, Vollmond, abnehmender Mond
Synoikia: Fest zu Ehren der Athena Polioikos. Gründungsfest der Stadt Athen. Ebenso wurden Opfer gebracht für Zeus und Eirene, die Friedensgöttin
Quelle: (5), (6)
8.Juli:Steinbock, abnehmender Mond:
Vitulatio: Festtag einer römischen Göttin mit Namen Vitula. (mehr dazu siehe schlangengesang 03/04)
Quellen: (3), (7)
13./14. Juli = 21. Hekatombaion: Fische/Widder, abnehmender Mond
Artemisia: Fest für die griechische Göttin Artemis.
Quelle: (5), (6)
14. – 19. Juli:
ägyptisches Fest der Nilschwämme (Epagomenen= 5 eingeschaltete Tage um das Mondjahr an das Sonnenjahr anzupassen). Sie wurden repräsentiert durch die Geburtstage der Götter: Osiris, Horus, Seth, Isis und Nephtys, den fünf Kindern der Göttin Nut.
Quelle: http://www.harfners.de/fest1.htm
15. Juli: Widder, abnehmender Mond:
Fest der Voodoo-Göttin Erzuli in Port Au Prince, Hawai. Sie ist eine Göttin der Liebe, der Leidenschaft und des Wohlstandes.
Quelle: http://people.tribe.net/michaelmanion/blog/7316ba66-7f0f-4b86-8c94-f226c46cf4a1
Festdaten ohne gesicherte Quelle:
Bei meinen Recherchen für die Feste in diesem Monat stieß ich wieder auf eine Liste an Daten, die sich von mir nicht durch sichere Quellen belegen ließen. Wenn jemand eine solche Quelle kennt und zitieren kann, wäre ich sehr dankbar: 6.7. Nymphe/Göttin Io (Griechenland), 10.7. Göttin Hel (germanisch), 17.7. Amaterasu (Japan), 23.7. Brigid (Irland)
Quellenangaben:
(1) Ovid Fasti,
(2) der römische Festkalender, Reclam,
(3) www.novaroma.org, (4) www.imperiumromanum.com,
(5) http://www.geocities.com/athens/parthenon/6670/doc/fest.html,
(6) http://www.numachi.com/%7Eccount/hmepa/calendars/696.4.Hekatombaion.html
(7) http://home.scarlet.be/mauk.haemers/collegium_religionis/calendar.htm
artemisathene
Veranstaltungen
11. Februar bis 04. Oktober 2009
Mazu – Chinesische Göttin der Seefahrt
Kolorierte Holzschnitte von Lin Chih-hsin
Begleitet von Pilgerstäben des Künstlers Ludwig Denk
Lin Chih-hsin (geb. 1936 im Südwesten Taiwans) vollendete das weltweit einmalige Werk "Die feierliche Begrüßung der Mazu" nach 20jähriger Arbeit im Jahr 1996. Die höchst sehenswerte 124 Meter lange kolorierte Holzschnittfolge zeigt in farbenfrohen Abbildungen eine Prozession zu Ehren von Mazu, der taiwanesische Göttin der Seefahrt. Alljährlich finden in Südostchina und auf Taiwan Anfang Mai prachtvolle Tempelfeste und feierliche Prozessionszüge zu Ehren des Geburtstages der Göttin Mazu (Ma-tsu) statt, die der Legende nach im 10. Jahrhundert auf der Insel Meizhou lebte. Als Schutzgöttin wurde und wird Mazu besonders von Seeleuten und den Bewohnern der Küstengebiete Chinas und Taiwans verehrt. Sie gilt als barmherzige Göttin und allgemeine Nothelferin, die unter anderem auch Reichtum und Kindersegen spendet.
Staatliches Museum für Völkerkunde München
Maximilianstraße 42
D-80538 München
Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 9.30 - 17.30 Uhr
Eintrittspreise:
Dauerausstellungen:
Erwachsene: € 4,00; ermäßigt: € 3,00; sonntags: € 1,00
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie Schulklassen frei
Für Sonderausstellungen gelten erhöhte Eintrittspreise.
Feiertagsregelung: Faschingsdienstag, Karfreitag, 1. Mai, Fronleichnam, Allerheiligen, Heiliger Abend, 1. Weihnachtsfeiertag und Sylvester geschlossen.
An allen anderen Feiertagen ist das Museum geöffnet.
Impressum
Schlangengesang – der Rundbrief für Göttinnenspiritualität wird von keiner Organisation herausgegeben, sondern von Privatpersonen, die sich zu diesem Zweck zusammen fanden.
V.i.S.d.P.: Nora Bugdoll, Kantstr. 11, 16225 Eberswalde
Bilder:
Schlangengesanglogo von Distelfliege
Zierelemente von Aruna, Caitlin, jana, Lilia
Fotos: Nana Beginaset, Lilia, wikipedia
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Schlangengesang erscheint alle zwei Monate. Über das Internet als HTML-Email ist Schlangengesang kostenlos abonnierbar. Die Printversion und ist jetzt auch abonnierbar.
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